Dann stell ich mich auch mal vor


#1

Hi,

ich hab dieses Forum vor ca. 3 Wochen gefunden, als ich mich über das Thema Vaginismus informiert habe. Genau so lange ist es auch her, dass ich glaube endlich eine Antwort gefunden zu haben, woran ich eigentlich seit 8 Jahren leide…

Ich bin jetzt 30 Jahre alt und seit (bald) 9 Jahren in einer Beziehung. Vorher hatte ich zumindest soweit ich mich noch erinnere, nie Probleme mit Schmerzen beim Sex. Ich war zwar damals noch nicht sehr erfahren, was das Thema Sex anging (ich hatte vor meinem Freund 6 andere Männer) und ein sehr schlechtes Selbstbild und Selbstbewusstsein. Ich war auch gerade 21 geworden, als ich meinen Freund kennen lernte und war sehr verliebt in ihn. Er hat mir sehr geholfen mein Selbstbewusstsein zu stären und stand all die Jahre immer hinter mir. Die Möglichkeit, dass ich an Vaginismus leiden könnte, habe ich wie gesagt vor ca. 3 Wochen herausgefunden. Ich hab im Internet darüber gelesen und vor allem die Symptome brennen beim und nach dem Sex, stechende Schmerzen und das Gefühl zu eng zu sein treffen den Nagel auf den Kopf! Ich habe allerdings früher nie Probleme mit Tampons gehabt, jetzt benutze ich seit über einem Jahr keine mehr, weil ich keine Periode habe. (liegt daran, dass ich Untergewicht und zu wenig Körperfett habe) Untersuchungen beim FA und oder wenn mein Freund mich mit dem Finger befriedigt sind und waren nie ein Problem. Ich frage mich daher, ob ich an einer “leichten Form” von Vaginismus leide oder sogar, ob sie nur auf meinen Partner bezogen sind…:neutral_face: Ich habe auch von Vaginismus gelesen, der sich auf bestimmte Partner beziehen kann. Kennt das vielleicht jemand oder hat auch schon davon gehört? Die Schmerzen sind bei mir erst mit der Beziehung zu ihm entstanden. Wir hatten von Anfang an leider ein kompliziertes Sexleben. Er hatte am Anfang unserer Beziehung Errektionsstörungen, weil er Angst hatte mir weh zu tun…Ja, ihr lest richtig! Das Verrückte ist, dass seine Ex-freundin, ihn dafür verantwortlich gemacht hat, dass ihr erstes Mal weh tat und er ihr beim Sex immer weh tun würde. Das hat sich in ihm fest gesetzt und mittlerweile denke ich, dass ich um ihn nicht noch mehr zu verunsichern ich über meine Empfindungen beim Sex mit ihm in den ersten Wochen/Monaten unserer Beziehung hinweg gegangen bin. Ich war anfangs einfach froh, dass wir das Problem in den Griff bekommen hatten, dass er schlaff wurde, sobald wir Sex haben wollten und anfangs war es auch nicht so, dass ich solche Schmerzen hatte wie ich sie mittlerweile habe. Aber ich erinnere mich noch daran, dass es schon stellungen und male gab, in denen es weh tat und für mich schwer war mich zu entspannen. Mein Freund ist auch seeehr gut ausgestattet, was mich bevor ich das über Vaginismus wusste oft zweifeln lies, ob wir “anatomisch” zueinander passen. Aber meine FA meinte nur, dass da ein Kind durch passt und das es deshalb auch kein “zu groß” gäbe.
Jedenfalls fing das relativ früh nach einem Jahr in der Beziehung an, dass ich immer weniger Lust auf Sex hatte, weil es immer unangenehm war und es danach brannte. Irgendwann waren es dann 4 Jahre in denen wir kaum mehr Sex hatten und auch sonst wenig intim waren. Über die Jahre sind die Schmerzen auch immer schlimmer geworden und mittlerweile müssen wir immer abbrechen wenn wir es doch mal versuchen. Ich frage mich, wie das bei anderen ist die in so langen Beziehungen sind. Wenn ich mit den Dilatoren üben würde (ich hab mir noch keine besorgt) dann denke ich jedes mal, aber was wenn es bei ihm immer noch oder dann wieder weh tut. Denn vor ihm hatte ich keinen Vaginismus. Haben andere Frauen keine Angst davor das es am Partner liegen oder wieder kommen könnte?

Sorry das ich gleich so nen langen text geschrieben habe, aber die Frage wollte ich einfach stellen und dafür war die ganze Vorgeschichte nötig…

Also ich freue mich in diesem Forum zu sein und hoffe auf regen Austausch:blush:


#2

Liebe Zimti,

Herzlich willkommen hier im Forum!
Schön dass du deine Geschichte so offen erzählt. Das tut gut und macht Mut. Du hast schon viel reflektiert, das finde ich super. Das was du schreibst klingt stimmig für mich.
Ich beschäftige mich zur Zeit viel mit Themen rund um die weibliche Sexualität. Es gibt da wirklich jetzt eine Fülle von Literatur und Therapeutinen. Es stimmt mich traurig wenn ich höre wie oft wir unsere Schmerzen oder Gefühle im Sex zurückhalten weil wir dem Mann einen Gefallen tun wollen, weil wir ihn nicht verletzen wollen oder (in meinem Fall) Angst haben ihn zu verlieren. Und unser Körper reagiert dann darauf und so ist niemandem geholfen. In der Vagina gibt es unglaublich viele Nerven, die Verbindung zu überall im Körper haben, wie genau das funktioniert ist noch gar nicht so richtig erforscht.
Ich denke mit dem sollten wir Frauen uns langsam auseinandersetzen.Was wollen wir, was tut uns gut. Erspüren wann wir bereit sind den Penis wirklich aufzunehmen und das dann klar kommunizieren. Das haben wir ja nie gelernt, oder? Im Buch von Diana Richardson hab ich gelesen: “die Vagina ist der physische Raum in den der Mann eintritt. Und als Gegenpol dazu ist es die Frau, die den Mann physisch empfängt bzw. Ihn in sich hineinlässt. Diese beiden Funktionen sind sehr verschieden voneinander. Der Mann ist der Gast, die Frau die Gastgeberin. " Demzufolge ist es unsere Aufgabe die Atmosphäre im Raum, in den der Mann dann 'eintritt” so zu gestalten dass er sich willkommen und wohlfühlt, wie ein Gast eben.
Liebe Grüße
Yvonne


#3

Liebe Yvonne,

vielen Dank für deine Nachricht, es freut mich sehr, Rückmeldung zu bekommen :blush:

Ich beschäftige mich seit einer weile auch immer mehr mit dem Thema Weiblichkeit, Sexualität und eben alles rund um das “untenrum” :grin: Mir fällt dabei nämlich auch auf, wie erschreckend wenig wir Frauen über unseren Intimbereich sprechen, deshalb versuche ich auch gerade in einem Forum wie diesem so offen wie möglich zu sprechen und meine Erfahrungen zu erzählen, damit andere vielleicht davon profitieren oder einfach mehr über sich selbst nachdenken. Mein “Interesse” wurde aber vor allem auch dadurch geweckt, weil ich mich im Oktober letzten Jahres einer Schamlippen-Op unterzogen habe. Ich dachte Jahre lang, dass mit mir was nicht stimmt, ich nicht “richtig” bin und habe mich deshalb auch immer sehr geschämt wenn es zum Sex kam. Selbst mit meinem Freund mit dem ich ja jetzt schon fas 9 Jahre zusammen bin habe ich erst vor einem halben Jahr gesprochen, dass ich mit meinem Äußeren ein Problem habe. Er hat mir zwar versichert, dass er das nie so empfunden hat und das er mich so wie ich bin liebt und schön findet, aber ich dachte z. B. auch, dass meine Schmerzen durch die Länge der Schamlippen kommt, weil diese beim Sex auch teilweise einfach “im Weg” waren. Ich bin - um das kurz zu erwähnen - sehr froh diesen Schritt gemacht zu haben und bereue es kein Stück! Im Gegenteil, gerade durch die Op setzte ich mich das erste mal in meinem Leben mit mir und meiner Weiblichkeit auseinander und frage MICH was ich vom meinem Partner erwarte, was mich erregt, was ich mir wünsche usw. Bei all diesen Fragen ist mir nicht zum ersten mal aufgefallen, wie wenig ich mich vorher mit mir und meiner Sexualität beschäftigt habe. Ich denke, dadurch, dass ich beim Sex und Intimität all die Jahre immer sehr verkrampft war, habe ich mir den Vaginismus selbst beigebracht. Ich bin im Becken und im Intimbereich auch permanent angespannt und versuche jetzt öfter am Tag bewusst locker zu lassen. Mein Problem ist, dass ich diese Anspannung auch sehr mit meinem Partner verbinde, es gab Zeiten, da bin ich schon steif wie ein Brett geworden, wenn er nur den Arm um mich gelegt hat. Ich habe einfach große Zweifel, ob die fehlende Intimität in unserer Beziehung und mein Angst, dass der Vaginismus auch mit ihm und seinem Penis zusammenhängt, danach immer noch ein Problem sein wird.

Aber um noch zu deiner tollen Nachricht zurück zu kommen ivi, ich finde es auch so schade, dass Frauen so wenig aufgeklärt sind und werden, was ihre eigene Anatomie und Weiblichkeit angeht. Das Thema ist mir nicht nur dort begegnet, als ich mich anfing damit zu beschäftigen, was bei Frauen eigentlich als normal lange Schamlippen gilt, eine Norm gibt es da nämlich nicht! Im Aufklärungsunterricht, bei Frauenärzten usw. wird immer die Form, dass alles, also die inneren Schamlippen von den Äußeren vollständig verdeckt sind dargestellt. In der Kunst wurde lange Zeit der Intimbereich der Frau gar nicht erst abgebildet, ich finde es fehlt ganz extrem an Aufklärung von FÄ! Das sehen wir und lese ich hier im Forum ja auch bei dem Thema Vaginismus! Auch hier hat mein FÄ überhaupt nicht reagiert. Ich bin seit 2 Jahren sehr oft bei ihr gewesen und habe ihr all meine Probleme geschildert. Nachdem Östrogen, Vaginalzäpfchen, Gleitgell usw. nichts gebracht hat (ihr alle kennt das ja) kam von ihr nicht mal nen tipp wie “informieren Sie sich da mal drüber…” Ich war jetzt am Freitag bei ihr und habe sie mit meiner Vermutung konfrontiert. Ihre Antwort war, das eine Diagnose ja nicht richtig feststellbar wäre, weil man die Muskelspannung ja nicht messen kann, aber das Vaginismus eine psychische Ursache sei. Ich solle damit zum Sexualtherapeuten gehen und die Erfolgsrate wäre da sehr groß und innerhalb von 6 Monaten behandelbar. Ah ha…, schön, dass ich das nach 2 Jahren von ihr höre. Es ist einfach sehr frustrierend, wie wenig man von den Ärzten geholfen und Hilfestellung bekommt.

So, dass musste jetzt noch gesagt werden :sweat_smile:


#4

Liebe Zimti,

ich stimme dir zu: es ist wirklich unglaublich wie wenig wir Frauen wir über unsere eigenen Geschlechtsorgane wissen. Irgendwie herrscht der Mythos vor ich habe halt mal Sex mit meinen Freund, er wird mir schon zeigen wie es geht. Das widerum setzt die Männer sehr unter Druck. Sie meinen dann sie müssten die Frau zu sexuellem Genuss “bringen”. Stell ich mir auch nicht einfach vor.

Es würde sich viel verändern wenn die Frauen mal zuerst ihren Körper kennen würden, lernen würden nein zu sagen und Grenzen zu setzen, denn letztlich geht es auch um das. Wenn ich nicht nein sagen kann, wie kann ich denn dann bewusst und von ganzem Herzen ja sagen!?

Vielleicht würde euch eine Paartherapie oder Sexualtherapie helfen. So wie du schreibst, scheint dein Partner ein sehr verständnisvoller und auch selbst sehr verletzter Mann zu sein. Vielleicht könntet ihr geimeinsam Heilung finden, wenn ihr die Dinge, die zwischen euch unbewusst laufen, an die Oberfläche kommen und gut aufgefangen werden von kompetenten Therapeuten.

Schau mal hier rein
http://www.ziss.ch/veroeffentlichungen/default.htm

Die Seite kannst du auch mal deiner FÄ weiterleiten, damit sie sich mal informieren kann :wink:

liebe grüsse
Yvonne


#5

Hallo Zimti, hallo Ivi,

interessiert habe ich euren Dialog verfolgt. Ich kann euch in vielen Dingen nur zustimmen.
Ich finde es sehr frustrierend, dass es so schwierig ist eine Fachperson zu finden, die einen unterstützen kann.

Ich bin ja schon froh, dass meine Frauenärztin mir niemals so Dinge gesagt hat wie: “dann trinken Sie halt ein Glas Wein zum locker werden” oder “andere Frauen machen es ja auch, das muss gehen”. Von solchen Kommentaren hab ich aber leider schon gelesen (ich glaube auch in diesem Forum).

Meine Frauenärztin hat schon erkannt, dass meine Beckenbodenmuskeln verspannt sind, daraufhin bin ich auch auf den Begriff Vaginismus und dieses Forum gestoßen. Mehr konnte sie mir allerdings nicht helfen.

Ich habe in letzter Zeit auch zwei Physiotherapeuten angemailt, aber leider keine Antworten erhalten. In den Praxen direkt anzurufen habe ich mich bisher nicht getraut.

Ich finde es ja toll, dass es dieses Forum gibt, so dass wir Betroffenen uns zumindest austauschen können und uns gegenseitig Tipps geben und Mut zusprechen können.

Noch besser fände ich es aber auch, wenn es zusätzlich Fachleute gäbe, die sich gut mit dem Thema auskennen und einen beraten können welche Behandlungen oder Therapien es gibt und welche im besonderen Fall hilfreich oder erfolgsversprechend sind.

Leider wird man als betroffene Frau mit diesem Thema ziemlich allein gelassen. Tipps und Zuspruch von anderen Betroffenen sind toll und hilfreich, aber eine Fachperson können Sie leider nicht ersetzen.

Ich hoffe sehr, dass sich diese Umstände bald ändern werden. Ich fürchte auch, dass es unzählige Frauen gibt, die Schmerzen beim Sex haben, aber eben glauben das wäre normal und es aushalten. Da muss noch viel mehr Aufklärung betrieben werden, so dass man sich über das Thema auch außerhalb von speziellen Foren austauschen kann.

Wünsche euch allen einen schönen Sonntag und hoffe auf weiteren regen Austausch

Schöne Grüße CoLa


#6

Liebe ivi,

da hast du wohl auch recht, ich hatte mal einen Freund, der sich unglaublich abgemüht hatte beim Sex und wirklich durchgeschwitzt und fix und fertig danach war. Ich hab erst Jahre später begriffen, dass er wohl unbedingt wollte, dass ich einen Orgasmus bekomme und da ich diesen nicht bekommen oder vorgetäuscht hatte, hat sich der arme wohl sehr verausgabt :joy: Auch Männer haben so ihre Sorgen und Probleme, aber ich stimme dir zu, dass wir Frauen auch viel zu wenig über unsere eigene Sexualität wissen und ausprobieren was uns gefällt. Welche Frage sich mir in dem Zusammenhang auch aufdrängt, vor allem weil ich das auch schon von meiner Therapeutin gesagt bekommen habe, in dem Moment, in dem der Mann in die Frau eindringt übergeht er wie du auch sagtest eine Grenze. Wenn die Vulva sich jetzt nun verschließt um die Grenze zu schützen, heißt es dann nicht auch, dass sie dem Partner nicht traut? Und wenn ja aus welchem Grund? Von vielen hier habe ich gelesen, dass sie z. Teil in sehr langjährigen Beziehungen sind und sehr verständnisvolle Freunde haben. Aber ich frage mich, ob das was in unserem Unterbewusstsein passiert vielleicht durch die körperliche Reaktion unserer Vulva deutlich gemacht werden soll.

Mein Freund und ich waren auch schon bei der Paartherapie, aber die haben wir wegen seiner Arbeitszeiten abbrechen müssen, ich hatte aber auch das Gefühl er wollte nicht so richtig. Als ich das Thema noch mal angesprochen habe, sagte er wir würden das nicht brauchen. Ich denke man merkt von dem was ich schreibe, dass die Situation gerade nicht so rosig ist bei uns. Ich stehe eigentlich vor der Frage ob ich mich trennen soll oder nicht. Ich merke, dass ich mich nicht mehr so zu ihm hingezogen fühle und ich denke, dass Sex mit anderen Männern nicht so weh tun würde. :worried:

Danke auch für den Link, habe schon ein paar Artikel gelesen die sehr interessant waren.

Hi CoLa,

toll das du dich einklingst in unseren Austausch :grinning:

Ja, schon allein bei meinem letzten Besuch bei der FÄ. Sie hat mir nicht mal gesagt, ob sie die Diagnose Vaginismus bei mir stellen würde und ob sie mir ne Überweisung oder so für ne Sexualtherapie geben kann. Nix, null Aufklärung oder Rat wie es jetzt weiter gehen kann… Das ist einfach enttäuschend. :confused:

Ich hoffe ihr habt auch noch einen schönen Sonntag :blossom:

Viele Grüße Zimti


#7

Liebe Zimti,

danke für deine Offenheit! Ja das klingt wirklich nicht so gut. Fühlt sich so an, als ob er seine Probleme nicht sehen möchte. Und das ist bei Männern meiner Erfahrung nach leider oft der Fall. Es stellt sich mir die Frage warum wir so lange bei diesen Partnern, die uns offensichtlich nicht gut tun, bleiben. Warum sagen wir nicht stopp anstatt Vaginismus zu bekommen?
Ich hab oft über das Wort “eindringen” nachgedacht. Das klingt irgendwie nicht gut für mich. Wie soll ich mich öffnen, wenn jemand eindringen will. Wenn jemand in meine Wohnung eindringen möchte würde ich sie auch verbarrikadieren.
Wir Frauen brauchen ja wesentlich länger bis wir bereit sind den Mann aufzunehmen, unsere Erregungskurve ist nicht so steil. Zudem glaube ich, dass viele Frauen, die normal Sex haben können, den männerdominierten Sex auch nicht mögen, es aber oft einfach über sich ergehen lassen, damit es keinen Ärger gibt. Ich hör von so vielen Frauen, dass sie keine Lust mehr haben. Deshalb frage ich mich so wie du: vielleicht ist der Vaginismus einfach nur eine ganz krasse Form nein zu sagen. Nein zu dem was uns im Sex nicht gefällt. Ich denke wenn wir Frauen da endlich aufwachen, aber auf unsere weibliche Art, nicht im männlichen Stil, dann würden die Männer schon nachziehen. Da bin ich mir sicher.

Als mein Exfreund mich mit seinem Wunsch nach Sex mit Prostituierten konfrontiert hat, habe ich einiges erlebt. Meine Sexualtherapeutin meinte, es könne mich doch entlasten, wenn er regelmässig auwärts Sex habe. Und einige Freundinnen meinten, ach lass ihn doch, Sex ist nicht das Wichtigste.

Nur ganz wenige haben verstanden, wie sehr mich das verletzt hat. Weil ich noch nie Sex hatte und ich so drunter leide, und für mich deshalb Sex eben keine Nebensache ist, sondern das Kostbarste und Intimste, das ich einem Menschen schenken kann. Und weil ich mich allein gelassen gefühlt hätte. Wenn ich es akzeptiert hätte, dann hätte es sich für mich so angefühlt: ich kauf mir Sex, weil ich ohne Penetration nicht leben kann und du mach mal schön weiter mit deinen Übungen und Therapien, die ja eh nichts bringen, ich warte ja schon viel zu lange. Und wenn du dann “soweit bist” dann hör ich wieder auf mit der Prostitution. Ist doch ein guter Deal.
Nein, wäre es nicht gewesen. Ich hätte mich alleine gelassen, nicht verstanden gefühlt und mein Vaginismus hätte sich mehr und mehr verstärkt durch den Kummer.

Ich hab dann in meiner Verzeiflung das Buch von Ilan Stephani: “Lieb und teuer” gelesen. Das ist ein un glaublich wichtiges Buch. Es widerspiegelt den Zustand der Sexualität in der heutigen Zeit und da ist mir einiges aufgegangen.

Liebe Grüsse
Yvonne