Erfolgsgeschichte durch Verhaltenstherapie: Alternative zum selbstständigen Dilatorentraining


#1

Liebe Betroffene, Ratlose und Interessierte am Thema Vaginismus!

Ich möchte euch hier meine Geschichte erzählen, um euch Mut zu machen, denn sie ist eine Erfolgsgeschichte.

Mein Leidensweg ist recht klassisch und wird vielen von euch bestimmt bekannt vorkommen. Seitdem ich mit etwa 14 Jahren zum ersten Mal meine Periode bekommen hatte und auch nach wiederholten Versuchen daran scheiterte, einen Tampon einzuführen, stellte sich das Gefühl ein: Mit mir stimmt etwas nicht.
Der erste Besuch beim Frauenarzt, vor dem ich mich jahrelang gedrückt hatte, war furchtbar, nichts ging und die Frauenärztin war auch nicht gerade empathisch. Ihr lapidarer Kommentar: “Gespannt wie ein Flitzebogen. Na dann komm erst mal wieder, nachdem du zum ersten Mal Sex hattest.” Als wäre das nicht ein riesiger Teil des Problems!

Obwohl ich es nie bewusst in Zusammenhang brachte mit den großen Schmerzen bei den missglückten Versuchen, Tampons einzuführen, war ich Männern gegenüber immer sehr abwehrend, und konnte nach und nach nicht einmal mehr Küssen zulassen. Natürlich sah ich, wie frei meine Freundinnen mit ihrem Körper und ihrer Sexualität umgingen, und hatte das Gefühl, da würde ich niemals hinkommen. So wuchs mit den Jahren das Gefühl, eine Versagerin zu sein, weil ich immer noch Jungfrau war. Ich hatte das Gefühl, ständig ein dunkles Geheimnis mit mir herum zu tragen, und hatte in größeren Mädelsgruppen ständig Angst vor expliziten Fragen zu meinem Sexualleben.

Ich war verzweifelt und fühlte mich komplett allein, doch schob das Problem jahrelang weg von mir, anstatt mit jemandem darüber zu reden. Ich verstand einfach nicht, warum ich Männer nicht an mich heran lassen konnte. Zwar versuchte ich zweimal, das erste Mal einfach ‘hinter mich zu bringen’ - in den Ohren noch den Kommentar der Gynäkologin-, da ich hoffte, dass danach alles einfacher werden würde. Doch in beiden Fällen kam es nicht einmal ansatzweise zum Sex. Obwohl ich anfangs erregt war, verlor ich jede Lust, als mein Partner mich berührte und es ‘ernster’ wurde - aus Angst. Zum Glück hatte ich mir beide Male Männer ausgesucht, die sehr verständnisvoll waren, sodass wir stattdessen sehr gute, stundenlange Unterhaltungen führten. So kam zum Glück keine negative sexuelle Erfahrung dazu. Was dennoch blieb, waren Verzweiflung, Frustration und Unverständnis darüber, warum ich nicht so sein konnte wie meine Freundinnen.

Der Wendepunkt kam dann im Studium. Ich belegte aus reinem Zufall, da ich noch Leistungspunkte brauchte, im Psychologie-Bachelor einen Kurs, der sich ‘Sexology’ nannte. Eines der behandelten Themen waren sexuelle Störungen, unter denen auch Vaginismus ganz kurz aufgeführt war. Ich merkte sofort, dass das etwas mit meiner Situation zu tun haben könnte, fand aber nicht gleich den Mut, mich zielgerichtet weiter zu informieren. Das hätte bedeutet, sich der Problematik explizit zu stellen, und so weit war ich noch nicht.

Den Mut dazu fand ich erst ein paar Monate später, das war vor etwa einem Jahr. Ich googelte ‘Vaginismus’ und stieß auf Foren wie dieses, in denen Betroffene ihre Erfahrungen und Ängste austauschten. Ich kann den Moment gar nicht beschreiben, ich saß einfach vor dem Bildschirm und heulte. Es war das erste Mal, dass mir klar wurde, dass ich nicht allein mit diesem Problem bin, dass es einen Namen hat, und dass ich nicht einfach nur die einzige ‘verkorkste’ Frau auf der Welt bin. Das hat mir unheimlich viel Kraft gegeben, sodass ich mir das in den Foren viel besprochene Buch ‘Private pain - it’s about life, not just sex’ sofort bestellte und mich so viel wie möglich über Vaginismus informierte. Ich kann euch das Buch nur empfehlen - es hat mir so viel Mut und Motivation gegeben!

Es beschreibt eine in den USA entwickelte Therapieform, speziell für Vaginismus. Dabei setzt sich die Patientin ihrer Angst,sich etwas einzuführen, im Beisein erfahrener Therapeutinnen aus, und lernt dabei, dass negative Konsequenzen ausbleiben, die Angst abklingt, und man sich immer leichter Finger, Dilatoren, und Tampons einführen kann. Die Autorinnen sprachen von einer Erfolgsquote von über 90 % - das klang zu schön um wahr zu sein. In den Foren hatte ich gelesen, dass einige betroffene Frauen sich Dilatoren im Internet bestellen und damit eigenständig, ohne begleitende Therapie, übten. Das jagte mir unglaubliche Angst ein und stand für mich außer Frage. Ich wollte eine begleitete Therapie, eine Umgebung, in der ich mich sicher fühlen konnte, anstatt wie vorher unzählige Male allein zu versuchen, einen Tampon einzuführen und daran zu verzweifeln. Ich informierte mich über die Möglichkeiten und war schockiert darüber, dass es in Deutschland kein Equivalent zu der in dem Buch beschriebenen Therapieform zu geben scheint. Ich erwog kurz, für die Therapie in die USA zu fliegen - der auf der Website aufgeführte Therapie-Preis (ich glaube, es waren ca. 10 000 US$) machte diesem Vorhaben dann aber ein rasches Ende.

Trotzdem hatten mich die Beiträge in den Foren und das Buch soweit bestärkt, dass ich einen Termin bei einem ‘Experten’, einem Psychiater spezialisiert auf Sexualstörungen, und einer auf Vaginismus spezialisierten Frauenärztin machte. Um es kurz zu machen: Der Besuch beim ‘Experten’ war furchtbar, er konnte sich überhaupt nicht in mich hinein versetzen und entmutigte mich komplett. Ganz anders die Frauenärztin: Obwohl ich vor dem Termin tagelang Bauchschmerzen vor Angst hatte, war sie extrem empathisch, bestärkte mich in meinem Bestreben, etwas gegen den Vaginismus zu unternehmen, und machte mir auf sehr einfühlsame Weise klar, dass eine körperliche Untersuchung unabdingbar sei, um auszuschließen, dass das Ganze auf anatomischen Problemen beruhte. So willigte ich in die Untersuchung ein, sie war ganz vorsichtig und konnte zwar nicht viel machen, aber doch genug, um eine anatomische Ursache auszuschließen. Sie machte auch einen Ultraschall, sodass ich zum ersten Mal in meinem Leben die Bestätigung bekam: Mit meinen inneren weiblichen Organen ist alles in Ordnung! Das war eine sehr wichtige Erfahrung.

Die Frauenärztin setzte sich auch aktiv dafür ein, dass ich sehr kurzfristig einen Termin bei einer Psychotherapeutin bekam. Das war zwar zunächst einmal ‘nur’ eine reine Gesprächstherapie aus 4 oder 5 Sitzungen, doch half mir dies enorm: Ich lernte, endlich über ein ca. 10 Jahre lang totgeschwiegenes und verheimlichtes Thema zu sprechen. erzählte meiner Mutter und Schwester und meinen Freundinnen davon. Ich kann euch nicht sagen, wie wichtig dieser erste Schritt ist: Vertraut euch an, sprecht mit jemandem darüber, dem ihr vertraut! Es macht einen riesigen Unterschied, auf einmal nicht mehr allein dazustehen, sondern die Unterstützungen von Freunden und Familie zu haben. Im Gesrpäch mit meiner Mutter kam auch eine wahrscheinliche Ursache meines Vaginismus zur Sprache: Als sehr kleines Kind hatte ich ständig Blasenentzündung gehabt, die Behandlung war sehr schmerzhaft und unangenehm gewesen, sodass ich wie erstarrt war und nicht einmal mehr pinkeln konnte. Das erklärt die extrem negative Besetzung des gesamten Bereichs und die erlernte Neigung, unbewusst die Beckenbodenmuskeln anzuspannen.

Da ich bereits meinen Bachelor in den Niederlanden absolviert hatte und für den Master dorthin zurück gehen würde, aber unbedingt weiter an der Bekämpfung ´meines Vaginismus arbeiten wollte, schrieb ich meiner Professorin, bei der ich damals den Sexology-Kurs gemacht hatte, eine Email und fragte sie nach den Behandlungsmöglichkeiten in den Niederlanden. Sie antwortete mir, dass es genau in der Stadt, in die ich gehen würde, eine Spezialeinrichtung für Frauen mit sexuellen Problemen, vor allem Vaginismus, gäbe. Vor ein paar Monaten habe ich mich dann endlich dazu entschlossen, Kontakt mit der Einrichtung aufzunehmen - die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Dort haben sie ein sehr ähnliches Therapiekonzept wie das in dem oben erwähnten Buch aus den USA - das heißt, eine Therapeutin ist während jeder der nur 3 - 4 Sitzungen anwesend und beruhigt, gibt Tips, und schafft einfach eine entspannte Atmosphäre zum Üben.

Als meine jetzige Therapeutin mir bei der Vorbesprechung erklärte, dass 3 Termine normalerweise ausreichend seien, war ich mehr als skeptisch. Ein über so viele Jahre aufgebautes Problem würde sich doch nicht in so kurzer Zeit lösen lassen! Als sie mir anschließend den Übungsraum zeigte (mit Frauenarztstuhl) und die Dilatoren, mit denen wir üben würden, verlor ich beinahe wieder allen Mut. Das würde ich niemals schaffen! Trotzdem vereinbarte ich die drei Termine und schob in der bis dahin verbleibenden Zeit alle Gedanken an die anstehende Behandlung beiseite.

Vor nicht einmal einer Woche war es dann soweit: Der erste Termin nahte. Ich war unglaublich nervös und angespannt. Meine Therapeutin empfing mich sehr herzlich und nahm mir gleich mit ihrem ersten Satz allen Druck: ‘Den wichtigsten Schritt für heute hast du schon hinter dir: du bist her gekommen.’ Das hat mir allen Stress genommen. Ich musste zunächst eine Liste aufstellen mit verschiedenen Schritten (zB. Finger einführen, Dilator benutzen, Tampon benutzen) und den jeweiligen Grad meiner damit verbundenen Anspannung.

Anschließend gingen wir recht bald in den Übungsraum. Natürlich war es erst einmal komisch, sich untenherum nackt auf den Stuhl zu setzen, doch wir fingen ganz kleinschrittig an, indem sie mir einen Spiegel gab und ich mich erst einmal meine Vulva anschauen sollte. Der nächste Schritt war dann, sie einfach mit dem Finger zu berühren. Meine Therapeutin ist so klasse, dass es kein bisschen unangenehm war, in keiner der drei Sitzungen. Zwischendurch ist es sogar richtig lustig mit ihr und wir lachen viel. Sie gibt mir immer Unterstützung, wenn ich gerade welche brauche, und pusht mich, wenn ich in Vermeidungsverhalten verfalle.
Dann geschaf bereits in der ersten Sitzung das Unglaubliche: Ich konnte nach mehrmaligen Versuchen einen Finger einführen! Ich konnte es nicht fassen. Das war vorher niemals auch nur ansatzweise möglich gewesen. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus, als ich mir auch den kleinsten Dilator und sogar den eine Größe größer problemlos einführen konnte, und das in der allerersten Stunde! Ich war mit der festen Erwartung in die Sitzung gegangen, dass sie mir sagen würde, meine Gynäkologin habe etwas übersehen und es liege doch ein anatomisches Problem vor, bei dem man leider nichts machen könne. Zum Glück ist das nicht der Fall, und so habe ich in der vergangenen Woche Fortschritte gemacht, die ich niemals für möglich gehalten hätte. Ich muss das in der Stunde Gelernte zusätzlich zuhause für mich allein üben, und so habe ich mir bereits Dilatoren bis zu einem Umfang von 11 cm, Tampons, drei Finger gleichzeitig, und die Frauenarzt-Zange komplett ohne Probleme einführen können. Ich kann es eigentlich immer noch nicht fassen - so leicht soll es gewesen sein??

Zwar habe ich bisher nicht ausprobieren können, ob es beim Sex auch so gut funktioniert - das Wichtigste ist aber, dass ich gelernt habe, dass es möglich ist, teilweise monströs riesig aussehende Dilatoren in mich einzuführen, dass ich weiß, wie ich mich verhalten muss, wenn ich mich verkrampfe, und wie ich mich effektiv entspanne. Die Blockade im Kopf ist weg - und dadurch in der Vagina! Auch im Umgang mit Männern hat sich in der letzten Woche schon einiges geändert - ich lächle sie an, suche Augenkontakt, und habe ein Selbstbewusstsein erlangt, das ich dieser Beziehung nie hatte.

Ich bin so glücklich, diese Form der Behandlung gefunden zu haben (sie wird übrigens von meiner deutschen Krankenkasse komplett übernommen - investiert also auf keinen Fall den Berg Kohle in die Behandlung in den USA!!) und kann sie wirklich nur jeder betroffenen Frau ans Herz legen!!! Das Ganze erscheint mir immer noch wie ein Wunder- aber es ist wahr.

Ich hoffe, ich konnte euch mit meiner Geschichte Mut machen und Hoffnung auf Heilung geben - ganz ohne Operation, Botox-Behandlung oder sonstige Eingriffe. Traut euch, darüber zu sprechen, sucht euch kompentente Hilfe und lasst euch nicht von Rückschlägen wie doofen Ärzten entmutigen. Ihr schafft das!

Solltet ihr noch Fragen zu der Behandlung haben - meldet euch gern bei mir!


#2

Wow Irmazinha,

das klingt ja wirklich unglaublich.
In der ersten Hälfte deines Berichts konnte ich mich in vielen Dingen wiedererkennen. Die Probleme beim Tampon einführen, das Unbehagen, wenn das Thema im Freundinnenkreis auf Sex und Beziehungen kommt.
Auch ich hatte als Kind sehr oft Blasen- und Nierenbeckenentzündung und vermute auch, dass das ein Teil der Ursache sein könnte.

Die Behandlungsmethode in den Niederlanden klingt wirklich interessant. Ich kann mir vorstellen, dass es aber sehr merkwürdig ist sich vor einer fremden Frau etwas einzuführen. Aber wenn sie so empathisch ist und du so erfolgreich warst, ist das echt toll.
Hat sie deine Entspannung nur durch gutes Zureden erreicht oder hat sie dir auch Tipps oder Übungen an die Hand gegeben?
Wie ist es jetzt nach der Behandlung? Übst du weiterhin? Musst du dich immer noch bewusst entspannen um etwas einzuführen oder ist das Problem auf einmal wie weggeblasen?

Auf jeden Fall herzlichen Glückwunsch zu deinem Erfolg und viel Glück weiterhin
Schöne Grüße CoLa


#3

Liebe CoLa,

vielen Dank für deine liebe Antwort!!!

Wie ich in dem Bericht geschrieben habe, bin ich ja gerade erst fertig mit der Behandlung, daher kann ich dir leider noch nichts über langfristigere Erfolge berichten. Aber bisher läuft alles unglaublich gut!

Zunächst einmal zu deinen Bedenken bezüglich der Therapie: Ich konnte es mir vorher auch überhaupt nicht vorstellen, die Übungen im Beisein einer anderen Person durchzuführen. Auf der anderen Seite hatte ich es schon so oft alleine versucht, und war dabei so oft enttäuscht worden, dass ich darin die einzige Möglichkeit gesehen habe. Durch mein Psychologie-Studium kannte ich den theoretischen Hintergrund von Expositionsbehandlungen (diese werden bei allen Arten von Angst-Störungen eingesetzt) und wusste, wie erfolgreich eine solche Behandlung in den allermeisten Fällen ist - das hat mich dann noch weiter in dem Vorhaben bestärkt.

Es war dann auch wirklich überhaupt nicht so unangenehm, wie ich befürchtet hatte. Ich kann mir denken, dass Besuche beim Frauenarzt sicherlich ebensowenig zu deinen Lieblingsbeschäftigungen zählen, wie sie es bei mir tun, daher war ich schon sehr angespannt, als ich auf dem Gynäkologenstuhl Platz genommen habe. Man fängt dann aber wirklich ganz kleinschrittig an, indem sie einem anhand eines Modells noch einmal die Anatomie der Vagina und des ganzen Unterleibs erklärt, und man sich selbst mit einem Spiegel betrachtet. Dann geht es in kleinen Schritten weiter, bis ich mir bereits, wie oben beschrieben, in der ersten Sitzung ohne Probleme meinen Finger und zwei Dilatoren einführen konnte. Damit hatte ich vorher absolut nicht gerechnet!!

Ein ganz großer Teil dieses Erfolgs liegt ganz klar an den therapeutischen Fähigkeiten meiner Therapeutin. Sie hat eine ganz angenehme, entspannte Atmosphäre geschaffen, in der ich mich sicher und wohl gefühlt habe. Wir haben uns zwischendurch ganz normal unterhalten, als würde wir gerade beim Kaffeetrinken sitzen, und du gewöhnst dich unheimlich schnell an die Situation. Was mir unheimlich weiter geholfen hat, waren ihre Fragen: Während ich mir beispielsweise versucht habe, mir einen Finger einzuführen, hat sie mich immer wieder gefragt, was ich gerade fühle, was meine Gedanken sind, wie hoch meine Anspannung ist auf einer Skala von 1 bis 10 und so weiter. Dabei habe ich erst gemerkt: Es tut gar nicht weh, ich habe nur ANGST davor, dass es weh tut und höre dann sofort auf. Das laut auszusprechen hat mir schon unheimlich geholfen, weil es die Blockade im Kopf schon ins Wanken geraten lässt. Wenn ich nicht weiterkam, sollte ich immer den Beckenboden anspannen, entspannen, und dann mit den Beckenbodenmuskeln ‘pushen’, denn so entsteht mehr Raum für den Finger/Tampon etc. Das habe ich auch zuhause beim Üben immer gemacht, wenn ich gemerkt habe, dass ich mich verkrampfe, das hilft unheimlich!
Ein Bild, was sie immer wieder benutzt hat und was mir sehr geholfen hat (auch wenn es erst einmal bescheuert klingt), ist das eines Konzertbesuchs, bei dem du dich mit zwei vollen Bieren bis nach vorne zur Mainstage vorkämpfen musst. Sie sagte, ich könne ja nicht erwarten, dass die Vagina da wie ein Schlauch tatenlos herum hängt und darauf wartet, etwas eingeführt zu bekommen, sondern dass ihre Wände aufeinanderlägen, durch die man sich - wie durch die Menge beim Konzert- erst einmal seinen Weg bahnen müsse.

Die Erfolge, die du erzielst, beflügeln dich auch so sehr, dass du zuhause gar nichts anderes mehr tun willst als Üben, um in der nächsten Sitzung damit prahlen zu können, was du geschafft hast - und das, obwohl mir das Zuhause-Üben vorher das meiste Kopfzerbrechen verursacht hat. Ich wohne auf sehr kleinem Raum in einer Vierer-WG, und die Vorstellung, beim Üben meine Mitbewohner in der Küche quatschen zu hören, war ein absolutes Horrorszenario! Ich habe mir dann anfangs immer Musik angemacht und mich bewusst, durch Atemübeungen und das wiederholte An- und Entspannen der Beckenbodenmuskulatur, entspannt. Mittlerweile macht es mir gar nichts mehr aus, wenn meine Mitbewohner da sind, weil das Üben etwas ganz Normales geworden ist, ich brauche auch keine Musik mehr dazu. Ich kann inzwischen ohne Probleme einen Dilator benutzen, der einen Umfang von 13 cm hat - das Ding sieht aus, als könnte man damit problemlos Fensterscheiben einschlagen! Ich kann es immer noch nicht glauben. Auch Tampons sind kein Problem mehr.

Hast du denn schon etwas versucht, um dem Vaginismus beizukommen? Übst du alleine mit Dilatoren?

Ich wünsche dir ganz viel Erfolg!!! Lass dich nicht entmutigen, und such dir aktiv Hilfe. Du kannst dich jederzeit mit weiteren Fragen an mich wenden, ich bin froh, meine Erfahrungen teilen zu können!

Alles Liebe!


#4

Hallo! In welcher Stadt wohnst du denn, bzw. wo findet denn diese Therapie statt? Ich würde das vielleicht auch mal auf diesem Weg probieren wollen. LG


#5

Hallo Amy! Ich mache die Behandlung in der Poliklinik Gynäkologie und Sexologie in Leiden (NL). Ich kann dir wirklich nur raten, Kontakt mit den Therapeutinnen aufzunehmen! Viel Erfolg!!! :slight_smile:


#6

Hallo, also ehrlich gesagt finde ich hier im Internet nichts darüber. Hast du vielleicht Kontaktdaten oder einen Link für mich? LG


#7

Irmazinha, dein Bericht klingt toll, aber ich könnte sowas nie vor einer fremden Person machen. Was den eigenen Körper angeht habe ich generell ein extrem großes Schamgefühl. Was mich bis zu meinem jetzigen Freund nie behindert oder gestört hat. Aber ich kann sowas wie nackt vor den Spiegel setzen und meinen Intimbereich angucken und anfassen nicht. Das ist mir viel zu unangenehm und peinlich. Ich komm mir dabei so blöd vor.
Kennt das vielleicht noch wer? :sweat_smile:


#8

Hallo Amy, hier ist der Link zu der Einrichtung, in der ich meine Therapie gemacht habe:

https://www.lumc.nl/org/gynaecologie/patientenzorg/130823/130846/?setlanguage=English&setcountry=en#hoe%20maak%20ik%20een%20afspraak

Ist leider alles auf niederländisch, aber wenn du eine Email auf Englisch schreibst oder anrufst und Englisch sprichst, ist das absolut kein Problem. Das habe ich damals auch so gemacht.

Alles Gute!!


#9

Liebe Irmazinha,

vielen Dank für den Link und für deinen Bericht. Mir ist es ganz ähnlich ergangen wie dir.
Diese Angst be- und verurteilt zu werden, wenn man darüber spricht ist wirklich gross. Es ist ein grosses Tabu und ich habe grade von Frauen sehr wenig Verständnis oder Empathie erfahren. Die meisten meinen man sei ganz einfach verklemmt oder man sei sexuell missbraucht worden. Das ist echt schlimm. Den impotenten Männern muss es wohl ähnlich gehen wie uns.

Ich wünsche dir, dass es dann auch “in echt” gut klappt und dass du einen tollen, einfühlsamen Mann findest, mit dem du dein erstes Mal erleben kannst.

Alles Liebe
Yvonne


#10

Liebe IrmazinhaOkt,

vielen Dank für deinen Beitrag - ich habe mich in der ersten Hälfte so wiedererkannt, dass mir gerade ernsthaft beim Lesen die Tränen gekommen sind. :sweat_smile:

Ich freue mich riesig für dich, dass du so tolle Erfolge bei der Behandlung machen konntest und hoffe, dass es dir heute NOCH viel besser geht! :blush:

Mein erster konsequenter Schritt gegen den Vaginismus ist die Anmeldung hier im Forum und damit das Eingestehen, dass da wirklich etwas “nicht stimmt” und sich das Problem wohl auch nicht von alleine lösen wird.

Alles Gute dir! :sunny:


#11

Ich wollte mir gerade nach einem Hinweis von CoLa die Therapie, die du gemacht hast mal genauer anschauen, finde aber weder unter dem angegebenen Namen etwas, noch unter deinem Link (Fehlermeldung)
Könntest du mir vielleicht noch mal einen Link schicken oder weißt du noch den Namen der Therapeutin? :slight_smile: @Irmazinha

Ich würde mich sehr über Infos freuen!


#12

Ich wollte mir gerade nach einem Hinweis von CoLa die Therapie, die du gemacht hast mal genauer anschauen, finde aber weder unter dem angegebenen Namen etwas, noch unter deinem Link (Fehlermeldung)
Könntest du mir vielleicht noch mal einen Link schicken oder weißt du noch den Namen der Therapeutin? :slight_smile: @Irmazinha

Schade, dass man eigene Beiträge hier nicht nachträglich bearbeiten kann, ich glaube ich habe es gefunden:
Ambulatorium Psychosomatische Gynäkologie und Sexologie

Allerdings: “Während des Behandlungsprozesses kommen Sie grundsätzlich alle 2 - 3 Wochen zu einem 45 - minütigen Gespräch mit Ihrem Therapeuten in die Ambulanz. Sie müssen auch Aufgaben und Übungen zu Hause durchführen. Die Behandlung besteht in der Regel aus 5 bis 12 Gesprächen.”

Das ist ja mit Beruf/Schule/Studium leider so gar nicht vereinbar wenn man nicht wie du sowieso dort lebt - sehr schade! :slightly_frowning_face:


#13

Hallo @Gluecksmomente,

ich interessiere mich auch für die Therapie in Holland und habe mir dir Infos auf der Seite angeguckt. Soweit ich das verstanden habe, ist der Text allgemein für alle psychosomatischen sexuellen Funktionsstörungen geschrieben und gilt nicht nur für Vaginismus. Es steht dort auch, dass nach einem ersten Gespräch ein individueller Behandlungsplan erstellt wird. @Irmazinha hatte ja auch geschrieben, dass in Ihrem Fall nur 3 Termine nötig waren. Deswegen ist es bestimmt ein Versuch wert dort mal anzufragen.

Liebe Grüße
tini12


#14

Danke für den Hinweis, ich werde mal Kontakt aufnehmen! :relaxed: @tini12