Erfolgsgeschichte - oder wie ich meinen Körper neu kennenlernte


#1

Hallo zusammen,

mein Name ist Isi, ich bin 26 Jahre alt und ich möchte euch gerne meine Erfolgsgeschichte erzählen um euch zu motivieren, Mut zu machen und vielleicht neue Ideen anzustoßen.

Mein “Leidensweg” begann wie bei vielen Frauen bereits mit dem ersten Mal. Ich hatte immer sehr verständnisvolle Partner, jedoch schon immer große Angst vor den Schmerzen der Entjungferung. Leider bestätigte sich mein Verdacht und das erste Mal war einfach nur ein einziger Schmerz. Der Grundstein für eine gehemmte und angstvolle Beziehung zu meiner Vagina war gelegt und sollte sich in den nächsten Jahren auch nicht verbessern – im Gegenteil.

Im Studium lernte ich meinen jetzigen Partner kennen und fand so langsam heraus was mit mir nicht stimmte und mein Leiden bekam einen Namen. Ich fasste Mut und ging zu meinem damaligen Frauenarzt, der mir nach der Untersuchung versicherte, dass anatomisch alles in Ordnung sei. Er hatte allerdings nicht viel Ahnung von dem Gebiet und verschrieb mir erst auf Nachfragen meinerseits das gewünschte Dillatorenset. Außerdem kaufte ich mir das Buch.

Es vergingen Jahre der unterdrückten Lust in denen ich immer wieder das Gefühl hatte meinen Partner maßlos zu enttäuschen, da er doch immer so rücksichtsvoll war, für alles Verständnis hatte und doch eigentlich nur meine Nähe wollte. Oftmals habe ich sexuelle Zärtlichkeiten komplett abgewiesen um letztendlich nicht wieder die gleiche Enttäuschung erleben zu müssen. Trotz Buch und Dilatoren habe ich so gut wie nicht geübt, da ich immer dachte, wenn ich es endlich angehe, muss ich mir eingestehen, dass es nicht klappen wird. Auch die Übungen im Buch verunsicherten mich und irgendwie kam ich alleine nicht weiter.

Ein ernsthaftes Trennungsgespräch nach 4,5 Jahren Beziehung mit meinem Partner voller unerfüllter Wünsche nach Nähe und eine Beziehungspause haben mich letztendlich wachgerüttelt und mir die Motivation gegeben das Problem endlich anzupacken.

Ich recherchierte wieder im Internet und fand Hypnose, Therapieprogramme in der Schweiz, New York und sogar Sexualtherapeuten in meiner Nähe, die Hilfe versprachen. Was mich jedoch letztendlich überzeugte war ein Beitrag hier im Forum zu Erfahrungen mit einer Physiotherapeutin. Ich fand eine ansprechende Website einer Physiotherapeutin in meiner Nähe, die sich Vaginismus selbst jedoch gar nicht auf die Fahne schrieb. Trotzdem fragte ich an und bekam eine positive Antwort.

Beim ersten Termin hatte ich nicht das beste Gefühl. Die Therapeutin schien nicht besonders viel Ahnung von Vaginismus zu haben. Zudem kannte sie weder das Buch, noch hatte sie Erfahrung mit Dillatoren.
Sie zeigte mir verschiedene Möglichkeiten die Durchblutung des Beckenbodens zunächst anzuregen, zu dehnen und zu lockern. Auch Atemübungen waren dabei ein wichtiger Bestandteil.

In den Folgesitzungen wiederholten wir gemeinsam die Übungen und es fing an mir zu gefallen. Die Übungen schienen leicht und ich sollte mich möglichst auf die Entspannung fokussieren. Es half mir einfach, dass mir jemand sagte, was ich tun kann und dass ich vor allem auf meinen Körper hören sollte. Ich suchte mir Übungen aus, die mir gut taten und mir leicht fielen. Die Übungen im Buch mit bis zu 200 Wiederholungen demotivierten mich bereits von Anfang an.

Nach der zweiten Sitzung begann ich selbständig mit dem Dilatorentraining. Ich begann mit der zweiten Größe und probierte ca. 2-3 Wochen an der dritten Größe herum bis es irgendwann fluppte und ich die 4. ausprobierte, die ebenfalls klappte. Allein der Umstand, dass ich es bis hierhin geschafft hatte, motivierte mich enorm. In den ganzen Wochen übte ich teilweise 4-5 Mal die Woche nach Gefühl (immer so lange wie es gut tut und nicht zu Stress wird).

An dieser Stelle muss ich sagen, dass mir vor allem die “richtige” Atemtechnik geholfen hat. Dies war eine Sache, die mir im Buch besonders schwer fiel. Durch kleine Tricks und die Hilfe meiner Physiotherapeutin übte ich beim Einatmen durch den Bauch den Beckenboden zu entspannen und mein Ausatmen nur kurz anzuspannen. Für das Einführen der Dilatoren war das ein extrem wichtiger Faktor, der mir von allen Strategien am meisten hilft (einatmen = einführen).

Nach ca. 6 Wochen konnte ich nicht länger warten und wollte endlich ausprobieren ob es auch mit meinem Freund klappte. Ich war wirklich aufgeregt aber es klappte! Natürlich noch mit etwas Vorsicht aber ich hätte heulen können vor Glück! Bei mir ist momentan wichtig, dass ich trotzdem noch weiter übe und vor dem Geschlechtsverkehr die 3. und 4. Größe einführe um mir zu zeigen “Du kannst es doch”.

Ich denke letztendlich waren es mehrere Faktoren, die mir dazu verholfen hat dieses Kapitel meines Lebens endlich umzuschreiben. Unter anderem die Physiotherapeutin, meine neu gewonnene Motivation und vor allem die ganzheitliche Sichtweise meinen Körper kennenzulernen, zu verstehen und ihm gutes zu tun. Ich kann es wirklich nicht erwarten diesen Weg weiter zu gehen und endlich Freude am Sex mit meinem Partner zu haben.

Es würde mich freuen wenn sich jemand in meiner Geschichte wiederfindet und daraus Motivation schöpfen kann.

Viele Grüße,
Isi


#2

Liebe Isi,

Das freut mich total zu lesen und gibt mir auch Hoffnung! Danke, dass du deine Erfanrungen mit uns geteilt hast. Welche Übubgen haben dir am besten gefallen? Ich würde mich freuen darüber zu lesen.

Liebe Grüße
Lori


#3

Hallo Lorena,

ich habe mir eine kleine Ansammlung an Übungen zusammengestellt, die für mich am angenehmsten und entspannendsten gewirkt haben.
Als erstes versuche ich die Durchblutung im Beckenboden anzuregen indem ich mich auf ein warmes Kirschkernkissen setze (Zipfel nach vorne zeigend) und das Becken vor und zurück sowie in Kreisen bewege.
Danach gehe ich in die “Hündchen-Stellung” (auf den Knien und Ellenbogen aufgestützt) und mache weiter lockernde Bewegungen also z.B. kreisen oder wippen.
Auf dem Rücken liegen, Knie anziehen und mit den Händen umfassen und dabei kreisen lassen fand ich auch sehr angenehm und lockernd. Ich glaube diese Übung ist auch im Buch, leider weiß ich den Namen nicht mehr…
Am Ende habe ich immer nochmal Atemübungen gemacht. Z.b. sitze ich dabei im Schneidersitz und lege die Hände auf meinen Bauch. Ich atme tief durch den Bauch ein und beim Ausatmen sage ich ein langgezogenes “iccchhhhhhh” und spanne dabei ganz sanft den Beckenboden an. Gerade dieses parallele Sprechen mit dem Zischlaut hat mir sehr geholfen.
Meine Physiotherapeutin hat mir geraten mich generell aber länger auf die Entspannung zu konzentrieren, da dieses aktive an- und entspannen für mich eher unangenehm war. Diese Übung habe ich wirklich sehr “faul” gemacht, mit nur wenigen Wiederholungen …

Mit welchen Übungen kommst du denn gut klar?

Viele Grüße