Geschichte - Dilatoren - Schwangerschaft - Vorbereitung Geburt (EPI NO)

#1

Hallo liebe Community,

als bis jetzt stille Leserin möchte ich mich zu Anfang gerne vorstellen und dann über meine Geschichte erzählen. Ich werde es versuchen (ob es mir gelingt J) mich nicht allzu lang zu fassen und auch ein bisschen sachlich zu bleiben, sonst werde ich mich durch meine Gefühle nur verzetteln und dann das Schreiben wahrscheinlich abbrechen. Dies soll aber nicht heißen, dass mich nicht die unterschiedlichsten Gefühle und Ängste den ganzen langen Weg begleitet haben. Ich denke wir wissen alle hier, dass jeder von uns eine meistens lange und doch für jede Frau individuelle Leidensgeschichte mit den unterschiedlichsten Gefühlen und Ängsten hat(te).

Ich bin Tanja, 37 Jahre alt und leide rückblickend seit dem ich denken kann an "Vaginismus". Bei mir kam es vor unerklärlicher Angst vor Schmerzen nicht einmal dazu, dass ich je versucht hätte mir ein Tampon einzuführen, zum Frauenarzt zu gehen oder mit meinem Partner zu schlafen. Denke dass meine zwei ersten ernsten Beziehungen (2 Jahre und 1 Jahr) auch deswegen in die Brüche gegangen sind.

Mein jetziger Mann (sind nun fast 18 Jahre zusammen) hat mich trotz nie stattfindendem vaginalen Geschlechtsverkehr trotzdem vor 2 1/2 Jahren geheiratet, obwohl ich über all die Jahre es immer wieder geschafft habe das Thema auf die lange Bank zu schieben, abzuwürgen oder zu umgehen. Ja wir haben andere Möglichkeiten gefunden uns zu befriedigen, aber es blieb immer so ein Beigeschmack nicht "normal" zu sein.

Lange war ich auf der Suche was da mit mir nicht stimmt. Ich hab mir immer eingeredet, dass ich bestimmt ein dickes oder fast verschlossenes Jungfernhäutchen hätte und ich deswegen so viel Angst vor Schmerzen beim Sex habe. Mein Mann und ich haben es in den ersten 17 Jahren Beziehung hier und da immer mal wieder versucht. Wenn es in den ganzen Jahren aber 10x war, dann ist das schon viel. Ich habe immer sofort schon am Scheideneingang einen immensen Druck und ein Engegefühl gespürt, was sofort schmerzhaft wurde und mich dann abbrechen lies. Natürlich waren Frustrationen auf beiden Seiten ein täglicher Begleiter.

Als unsere Selbständigkeit 2012 in die Brüche ging und ich wegen psychischer Überforderung, großen Familienproblemen, etc. dann Ende 2013 einen sechswöchigen Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik hatte, bin ich das Thema zwar langsam aber Schrittweise angegangenen. Sowohl die Therapeutin in der Klinik, also auch die Therapeutin die ich mir für nach der Klinik gesucht habe, konnten dem "Problem" keinen Namen geben und dachten, dass es womöglich an "Angst vor Kontrollverlust" oder am falschen Partner liegen könnte. Nach einer Durststrecke von erneuten drei Jahren die Mitte 2014 begann (auch Beziehungsmäßig - wir hatten uns für eine Zeit getrennt), in denen ich aus Verzweiflung von Rückführung, Aurareading, Schattentherapie, etc. alles versucht habe, haben sich mein Mann und ich bis Anfang 2016 Stück für Stück wieder angenähert. Ich faste 2017 wieder Mut und durchforstete das Internet wieder Wochen nach Lösungsmöglichkeiten. Aber ich fand keinen Namen für das Alles.

Dann endlich fand ich den Begriff "Vaginismus" und spürte eine erste Erleichterung, dass ich einen Namen für mein Leiden habe und nicht alleine damit bin. Habe dann viel Zeit damit verbracht nach Ursachen zu suchen. Eigentlich viel zu lange!! Denke dass es bei mir eine Kombination aus den sehr sehr vielen Blasenentzündungen zwischen 14 und 17 Jahren und einer Abtreibung die ich bei einem Praktikum mit 15 Jahren mit ansehen musste, ist.

Getrieben von einem großen Kinderwunsch (auch durch meinen Mann) und dem seelischen Schmerz eventuell nie Mama sein zu können, wenn ich nicht bald etwas unternehme und den Zuspruch durch zwei liebe Freundinnen, denen ich mich endlich anvertraut hatte, entschied ich mich Ende 2017 trotz großer Scham dann für eine Sexualtherapie die innerhaltb eines halben Jahres dazu führte, dass ich mir durch eine Übung namens "Beckenschauckel" und viel Gleitgel einen Minivibrator mit ca. 1,75cm Durchmesser ohne Schmerzen einführen konnte. Mein Mann und ich versuchten daraufhin 2x miteinander zu schlafen, was nur so halbwegs geklappt hat. Es war super vorsichtig, sensibel und einfühlsam, aber es ging eben nur, dass er ca. 2cm in mich rein kam. Meine Sexualtherapeutin meinte ich müsse einfach viel mit meinem Mann üben, die Beckenschauckel machen und entspannen, entspannen und wieder entspannen. Aber wir wissen ja wie das ist, wenn etwas unangenehm ist oder weh tut, dann will man dies nicht immer wieder üben und das Entspannen fällt dann auch schwer.

Im August fasste ich während meines Eisprungs erneut Mut und schlief 2x mit meinem Mann. Es brannte innen drinnen, doch ich versuchte es auszuhalten, wollte ich doch unbedingt schwanger werden. Ich hätte es nie für möglich gehalten, aber siehe da ein Monat später blieb wirklich meine Periode aus. Ich machte einen Test und war wirklich schwanger und das mit nur zwei Versuchen. Die Freude über ein zukünftiges Kind wurde allerdings schnell von der Angst vor der Geburt verdrängt. Wie sollte ich, die es nicht mal schmerzfrei schafft einen Penis einzuführen ein Kind mit ganz anderen Dimensionen aus sich rausbekommen?!

Ich musste mich nun erst mal überwinden und meinem Kind zu liebe zum Frauenarzt gehen. Nach dem ich ca. 50 Stück angeschrieben hatte, fand ich eine, die sich mit mir dem "Problem" stellen wollte. Bei meinem ersten Besuch bekam ich ein Spekulum für Jugendliche mit und konnte zu Hause für meine erste Untersuchung üben. Das hat erstaunlicher weiße auch gut geklappt, aber hat eben auch. nur ca. 1,5cm Durchmesser. Auf jeden Fall hat es mir sehr viel Angst genommen, so dass ich der ersten vaginalen Untersuchung in meinem Leben positiv entgegensehen konnte. Und siehe da, es war echt gut. Die Frauenärztin lies mir viel Zeit zum Entspannen und konnte das Spekulum schmerzfrei bei mir einführen und sogar einen Abstrich machen. Beides empfand ich nicht mal als unangenehm, sondern ziemlich neutral. Auch die Untersuchung mit dem Finger war in Ordnung. Beim nächsten Mal war es dann leicht unangenehm und als bei meiner dritten Untersuchung mein Mann dabei war, fand ich es nicht gut, zuckte zusammen und sie musste die vaginale Untersuchung abbrechen. Ich war frustriert. Warum ging es zwei Mal gut und dann wieder nicht. Ja jeder hat mal einen schlechten Tag oder wo er sich nicht so fühlt, aber wir wissen ja, dass wir das Positive gerne übersehen und uns nur auf das nicht so Tolle versteifen. (PS: bei den nächsten Untersuchungen war es dann wieder besser)

Ich merkte einfach, dass noch ein bisschen Weg (keiner weiß wie lang der sein wird) vor mir lag und ich etwas tun müsste. Leider war mein sexuelles Verlangen durch die Schwangerschaft auf null gesunken. Ich musste irgendwie anders "üben". Hier bin ich dann auf das Buch "Wenn die liebe schmerzt" gestoßen und habe mir dies gleich mit dem Arbeits- und Begleittagebuch bestellt. Meine Frauenärztin hat mir dann auch das Dilatorenset von Amielle Comfort verschrieben, so dass ich seit ca. November 2018 damit mal mehr mal weniger übe. Am Anfang habe ich die Beckenbodenübungen auf dem Jonglierball, die PMR und auch noch die Übungen am Boden gemacht. Dilator 1 und 2 gingen bei mir auch recht zügig. Was mir übertrieben schwer viel war den Finger einzuführen. Schon der Gedanke daran ließ meinen ganzen Körper verspannen. Seit ich dies aber immer dazu mache ist viel Scham vor dem "Bereich da unten" von mir abgefallen und es ist "normal" geworden. Alle Übungen vor dem Einführen zu machen, finde ich persönlich sehr viel, also mache ich zur Zeit "nur" noch die Übung "Beckenboden aktivieren" mit 100x sternförmig pulsieren und gehe dann zum Üben mit den Dilatoren über. Ich muss mich aber immer noch jedes Mal "überwinden" und ertappe mich, wie ich lieber noch das oder dies vorher mache. Die Stufe drei bekomme ich mittlerweile auch ganz gut rein, wobei ich nach einigen Zentimetern wie einen Ring spüre, wo es dann nur schwer oder sogar gar nicht weiter zu gehen scheint. Ab hier kommt dann auch das Brennen dazu, was ich mit dem Geschlechtsverkehr mit meinem Mann kenne. Ich atme, pulsiere und entspanne dann und irgendwann ist das Brennen weg.

Seit ein paar Tagen übe ich nun mit der Nummer vier und bin ehrlich gesagt sehr frustriert. Ich gebe zu, dass ich mich ein bisschen unter Druck setzte da der errechnete Geburtstermin schon in drei Wochen ist. Irgendwie kam es jetzt schneller als gedacht und ich fühle mich seit 3 Tage so gar nicht vorbereitet auf die Geburt. Kurz dazu: Da bei uns eine Beleghebamme nicht möglich ist und auch in den Kliniken, seit der Schließung einiger Geburtstationen und dem Anstieg der Geburtenrate, immer wieder Frauen mit Wehen abgewiesen werden, haben mein Mann und ich uns eine Doula gesucht, bei der wir am Freitag den HypnoBirthingKurs abschließen und die uns bei der gesamten Geburt begleiten wird. Auch haben wir uns zwei Kliniken ausgesucht, die die Anwesenheit einer Doula gut finden, den Fokus auf Mutter-Kind-Bindung, Stillen und natürliche Geburt legen und gleichzeitig sensibel mit dem Thema "Vaginismus" umgehen und auch einen Kaiserschnitt machen würden. Bei Geburten gehen die Meinungen ja auseinander was wirklich besser für Mutter und Kind ist. Darauf will ich hier jetzt auch nicht näher eingehen. Ich möchte nur sagen, dass ich es gerne versuchen würde das Kind natürlich ohne PDA zu bekommen. Ich habe mich aber auch über alles andere informiert und darauf soweit es geht vorbereitet. Meine Doula hat mir vor ein paar Tagen den EPI NO empfohlen. Sie hat ein Frau begleitet die ohne Vaginismus so Angst vor der Geburt hatte, dass sie einen Kaiserschnitt wollte. Durch den EPI NO konnte sie den Austritt des Köpfchens üben, ihr Ängste verringern und hat sich dann für eine natürliche Geburt entschieden, was dann auch ohne PDA geklappt hat. Kein Riss, schmerzarm und einfach gut.

Ich habe mir den EPI NO dann voller Vorfreude und Hoffnung bestellt und vor 3 Tagen angefangen damit zu üben. Dazu wollte ich mit den Dilator vier beginnen um mich vorzubereiten. Der EPI NO hat ca. die Dicke der Nummer 5 aber ist aus viel weicherem Material. Also Finger, Nummer 1, Nummer 2 alles kein Problem, Nummer 3 ein bisschen bewegen und Brennen ist weg. Nummer 4 flutscht erstaunlicher Weise auch gleich rein, aber stoppt dann an diesem gefühlten Ring und es fängt an zu brennen. Ich atme, pulsiere, entspanne, aber nichts, das Brennen wird so stark, dass ich abbrechen muss. Nach einer kurzen Pause versuche ich es erneut, nach dem ich mich ein bisschen stimuliert habe. Es geht wieder bis zu diesem Ring, aber es brennt nicht so stark wie vorher. Ich stimuliere mich weiter und ohne das ich es merke ist er komplett drinnen und das Brennen ist verschwunden. So ich hoffe es wird jetzt nicht zu persönlich, aber ich versuche eben gerade alles und will auch offen und ehrlich sein. Ich dachte es könnte für den Körper ein positiver Anker sein, wenn er merkt dass es auch ohne Brennen geht, darum hab ich mich mit Nummer 4 in mir zum Orgasmus gestreichelt. Sobald der Orgasmus vorbei war, war das Brennen wieder da und es gingt auch durch nichts mehr weg. Ich versuchte mir dann den EPI NO einzuführen, der muss "nur" ca. 5cm rein, aber ich schaffe es nicht ganz, da ist wie eine Barriere. Wenn ich ihn nicht rein bekomme, dann kann ich auch nicht mit ihm üben. Es hat sich dann gestern auch in der Gebärmutter nicht mehr gut angefühlt.

Jetzt bin ich gerade total am Boden, verzweifelt und weine viel, was ja für den kleinen Mann in meine Bauch auch nicht gut ist. Ich möchte am liebsten einen Kaiserschnitt (obwohl ich davor genau so viel Angst habe und ich hatte auch noch nie eine OP) und gar nichts mehr davon hören. Ich fühle mich wieder so nicht normal und frage mich wann das alles endlich vorbei ist. Wann kann ich endlich mit meinem Mann schmerzfrei schlafen und auch zum Höhepunkt kommen?

Nun wollte ich Fragen, wer von Euch kennt auch dieses ringartige Gefühl wo es nicht weiter geht und brennt? Was kann ich noch tun? Ich für mich bin entspannt. Ich merke wenn ich atme wie meine Beine, Oberschenkel, Pobacken, etc. locker werden. Wie soll ich noch mehr entspannen? Oder an was liegt es sonst?!

Hat jemand Erfahrung mit dem EPI NO und kann mir ein paar Tips geben?! Auch bin ich mir nicht sicher ob ich die dort beschriebene Beckenbodenübung machen soll, oder ob diese Kontraproduktiv ist. Vielleicht kann hier Claudia was dazu schreiben.

War von Euch jemand schwanger und wie ist die Geburt dann verlaufen?

Jetzt ist es doch ziemlich lang geworden. Ich wollte noch loswerden, dass ich total dankbar bin, dass es so eine Community hier gibt. Es ist was ganz besonderes!! Fühlt Euch gedrückt.

Herzliche Grüße
Tanja

PS Beckenbodenübung EPI NO in Kürze:
Den Ballon bis zur Hälfte in die Scheide einführen. Nun versuchen den Ballon für ca. 10 Sekunden durch ein Anspannen der Beckenbodenmuskulatur nach oben zu ziehen. Danach die Beckenbodenmuskulatur für ca. 10 Sekunden entspannen. Die Übung immer wieder während eines Zeitraumes von 10 Minuten wiederholen.

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#2

Hallo Tanja,
schön das du den Mut gefunden hast deine Geschichte mit uns zu teilen. Erst einmal herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft :-).
Ich habe den EPI No Libra gestern gegen den Vaginismus verschrieben bekommen und heute bestellt, habe damit als noch keine Erfahrung.
Ich fand es beim Üben mit den Dilatoren auch immer sehr schwierig mich zu entspannen. Die Schmerzen sind bei mir im Scheideneingang. Dieses ringartige Gefühl kenne ich nicht. Ich bin dann wirklich überall angespannt und es tut mehr am Eingang weh.
Ich hoffe, dass dir jemand weiterhelfen kann.
Liebe Grüße
Steffi

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