Hallo an alle, hier ist meine Geschichte


#1

Hallo, ich möchte mich und meine Geschichte kurz vorstellen.

Ich bin Teufelche, 22 Jahre alt und leide an Vaginismus.

Nun zu meiner Geschichte:
Mit meinem Exfreund hatte ich meinen ersten Sex und von Anfang an schreckliche Schmerzen. Das Eindringen war zwar möglich, jedoch hatte ich immer höllische Schmerzen. Ich war mit ihm ca. 1 Jahr zusammen und ließ mich halt immer zum Sex überreden um ihn glücklich zu machen und zu befriedigen. Meine Frauenärztin war dabei keine große Hilfe sie sagze nur: Das ist bei manchen Frauen so und da kann man nichts machen. Das war en harter Schlag ins Gesicht für mich mit meinen 18 Jahren feststellen zu müssen, dass ich nie Sex haben kann und demnach auch nie Kinder bekommmen kann. Bei meinem Exfreund hatte ich immer das Gefühl, keine richtige Frau zu sein, unvollständig zu sein und er hatte auch wenig bis gar Verständnis für mich. Immerhin hatte er nichts dagegen, immer einen Orgasmus zu haben, ährend ich extreme Schmerzen ertragen musste.

Seit 1,5 Jahren bin ich nun mit meinem jetzigen Freund zusammen. Anfangs hatte ich große Bedenken, wie er mit meinem Vaginismus umgeht und hatte große Angst, dass er von mir davon läuft. Jedoch habe ich den verständnissvollsten Partner, den man sich nur vorstellen kann. Klar haben er und ich das Bedürfnis und die Hoffnung auf “normalen” Sex, aber er ist sehr geduldig, unterstützt mich wie er nur kann und macht absolut keinen Druck. Bei ihm fühle ich mich wieder wie eine normale Frau und ich mache auch nichts mehr, was mir Schmerzen bereitet (mal abgesehen davon, dass er das auch nicht will). Sex und Lust sind für uns sehr wichtige Themen und wir haben ein sehr erfülltes Sexleben auch ohne vaginalen Sex. Wir lieben es uns gegenseitig oral, mit der Hand oder mit Spielzeug Lust zu bereitenn und zu befriedigen. Es ist für uns normal und so merke ich auch meistens nicht, dass bei mir etwas nicht stimmt bzw. dass ich Vaginismus habe, ich vergesse es einfach und genieße mein Leben.

Aufgrunddessen vergesse ich auch oft auf das Üben mit den Dilatoren. Ich hoffe, dass ich in der Community Motivation finde, regelmäßiger zu üben. Noch freue ich mich euch und eure Geschichten kennen zu lernen und mich mit euch auszutauschen. Ich hoffe also auf viele Kommentare :wink:


#2

Hallo Teufelchen,

Erst mal willkommen hier.

Mir geht es ganz ähnlich wie dir, ich bin 27 und kämpfe schon immer mit Vaginismus. Zum Glück hatte ich nie so einen verständnislosen Partner wie dein Ex.

Das mit den Frauenärzten kann ich auch bestätigen, die meisten haben wohl null Ahnung und sind ziemlich ratlos, v. a. weil ja eigentlich alles in Ordung ist.

Wie kommst du denn mit dem Üben voran? Hattest du schon Erfolgserlebnisse? Oder hast du auch schon andere Dinge versucht, die dir geholfen haben?

Ich find es schön, wenn ihr auch mit dem Problem tollen Sex haben könnt, jedoch denke ich dass das keine Lösung auf Dauer ist und es wichtig ist da dran zu bleiben. Ich selbst hab auch einen sehr verständnisvollen Partner, aber ich weiß wieviel Kraft es ihn kostet, diese enorme Gefuld aufzubringen, vor allem auf unbestimmre Zeit… das ist sicherlich als Mann auch nicht ganz einfach und ich hab da auch die Angst, dass er wirklich irgendwann mal “davonläuft”.

Wünsche dir viel Erfolg!

Liebe Grüße
Sini


#3

Hallo Sini!

Erstmals danke für deine Antwort!

Ich denke, dass wir sehr vieles gemeinsam haben und würde mich freuen, mich öfter mit dir auszutauschen.

Ich finde oft die Motivation nicht zum Üben und bin dann oft auch ungeduldig. Wie geht es dir dabei?
Generell merke ich schon, dass ich kleine Fortschritte mache. Langsam und klitzeklein :wink:


#4

Sehr gerne :blush:

Das mit der Motivation kenne ich nur zu gut, ich hab oft auch keine Lust zu üben. Und ganz oft nicht so viel Kraft, diese Geduld mit mir selber aufzubringen. Weil ich unbedingt will, dass es endlich einfach “funktioniert”, gleichzeitig aber es kontraproduktiv ist, mich selbst unter Druck zu setzen oder die übungen “mal schnell” zu machen. Das klappt leider nicht immer so gut…

Ich hab schon mittlerweile auch das Gefühl, dass ich meinen Beckenboden irgendwie spüre und versuche immer wieder, ihn auch im Alltag wenn ich dran denke, zu entspannen. Mit den Dilatoren komm ich aber leider trotzdem nicht richtig voran…


#5

Hallo Teufelchen,
ich bin auch neu hier. Ich bin 29, männlich und habe 5 Jahre Erfahrung mit Vaginismus aus der Sicht eines Mannes.

Ich könnte dir viel erzählen, aber da ich hier zum ersten mal schreibe möchte ich erstmal nur auf deine Frage eingehen (wie Motivieren?).

Die beste Zeit, wo meine Partnerin die meisten Fortschritte gemacht hat, war als der Druck und Sicherheit in der Beziehung ausgewogen war. Und damit meine ich den Druck, den ich ihr gemacht habe und die Sicherheit, die ich ihr gegeben habe.
Wir haben zirka zwei Jahre gebraucht um das zu verstehen.
Beispiele:

  • Ganz am Anfang, wo wir beide auch noch nicht genau verstanden haben, was los ist habe ich ihr viel zu viel Druck gemacht. Sie soll zum Arzt, sie soll sich Erkundigen, sie soll dies und das tun, etc. Ich habe ihr sogar ein Ultimatum gemacht, dass ich nicht länger als ein Jahr mitmache.
  • Als das nichts gebracht hat (im Nachhinein völlig logisch), hat sie es geschafft mir zu sagen, was sie glaubt zu brauchen: “Keinen Druck!”, “Bitte, sag einfach mal ein paar Wochen nichts dazu”. Es ist mir nicht gleich gelungen, aber schließlich war ich tatsächlich zirka 2 Monate still. Und oberflächlich hat es der Beziehung gut getan. Das Problem dabei war aber, dass wir das Problem nur Verdrängt haben.
  • Ich wusste nicht weiter und hab mit ihr Rat bei meiner Mutter geholt. Sie meinte wir sollten professionelle Unterstützung holen und war so großzügig dafür zu zahlen.
  • Die Sexualtherpeuthin hat uns dann auf den richtigen Pfad gebracht: Damit die Übungen regelmäßig und mit Genugtuung gemacht werden (und sich nicht sie lästige Hausaufgaben anfühlen), wurde ein fester Zeitplan erstellt. 2 mal die Woche stand in unser beider Kalender abends 30 Min “Vag” drinnen. Und es lief dann folgendermaßen:
  • Ich bin zu ihr gegangen und habe ihr Mut zugesprochen.
  • Dann habe ich das Licht gedimmt, eine leise Musik angemacht, ihr Handy und andere möglichen Ablenker weggesteckt
  • Habe versucht sie aufzuheitern und ihr die Dilatoren gebracht.
  • Manchmal hat sie dann schon geweint oder Ausreden gesucht. Diese habe ich dann fast immer mit Nachdruck und gutes Zureden beschwichtigt. Das kann zwischen 0 und 30 min dauern.
  • Dann habe ich immer das Zimmer verlassen und die Tür einen Spalt offen gelassen.
  • Wir haben uns darauf verständigt, dass sie mich rufen sollte, falls sie nicht anfangen konnte und mehr Mut braucht. Das kam selten vor.
  • Nachdem sie fertig war ist sie immer unglaublich stolz zu mir gekommen und hat mir alles erzählt.
  • Das war für mich persönlich immer der schönste Moment. So schön dass es mir Kraft gegeben hat für die Beziehung. Und oft habe ich ihr genau diese tollen Momente in Erinnerung gerufen, wenn wieder ein Übungstag war.

Zusammengefasst: Die Motivation zu den Übungen bekommst du am besten, wenn dir jemand leichten Druck macht und mit dem du deinen Erfolg teilen kannst. Eigentlich genau das gleiche wie einen Partner beim Fitness / Sport.


#6

Sini ich kann dich da sehr gut verstehen, mir geht es da im Grunde genau so.

Darf ich fragen, wie lange du mit deinem Partner schon zusammen bist und wie er dich unterstützt?


#7

Hallo ilu

Danke für deine Antwort. Ich freue mich eine ehrliche Meinung von einem Mann zu hören und deine Tipps klingen sehr hilfreich. Ich werde meinem Partner davon erzählen und hoffe, er ist genau so begeistert davon wie ich.

Ich hätte da noch eine Frage zu der Sexualtherapeutin: Wie oft seid ihr bei ihr gewesen, was hat es gekostet und wie sieht so eine Therapie aus?


#8

Wir sind noch nicht allzu lange zusammen… seit 3 Monaten mittlerweile. Zur Zeit versucht er einfach den Druck von mir zu nehmen. Er unterstützt mich und findets toll wenn ich die Übungen regelmäßig mache und sagt mir das dann auch. Auch wenn ich mal weiter komme oder einfach dran bleibe, sagt er mir dass er stolz auf mich ist. Und wenn ich mal keine Motivation habe und einfach kein Kopf dafür hab, sagt er ist nicht schlimm und will dass ich mich selbst nicht so unter Druck setze. :blush:


#9

Hallo Teufelchen,
wir waren bei einer Sexualtherapeutin, die sich sehr gut mit Vaginismus und auch anderen Problemen auskennt. Sie leitet auch dazu eine Selbsthilfe Gruppe und hat glaube ich auch ein Buch geschrieben.
Das war leider alles andere als billig (100 EUR pro Stunde). Meine Freundin war alle zwei Wochen bei ihr. Ich war alle vier Wochen auch dabei.
Das haben wir zirka ein Jahr gemacht. Es war sehr hilfreich eine neutrale Person zu haben, die uns beigebracht hat Verständnis zu einander zu haben. Sie hat ihr und uns Hausaufgaben gegeben. Einerseits die bekannten Übungen, andererseits auch Übungen für uns als Paar. Aber sie hat uns auch andere Wertvolle Sachen für eine Beziehung beigebracht, die jeder gut gebrauchen kann. Zum Beispiel dass es ok ist dem anderen seine Wünsche zu sagen, und dass man diese Wünsche auch nicht erfüllen muss. Oder dass ein Mann sich gerne auch mal zurück zieht, aber das lange kein Zeichen dafür ist, das etwas mit der Beziehung nicht stimmt.

Ich glaube aber nicht, dass man unbedingt eine Therapeutin braucht. Eine verständnisvolle Person, der man sich anvertrauen kann, und die bereits guten Bücher zu dem Thema helfen schon sehr. Bevor es allerdings zu einer Trennung kommt, obwohl sich zwei Menschen lieben würde ich eine Therapeutin empfehlen.


#10

Sini es freut mich sehr für dich, dass er dich so unterstützt ubd das so versteht, obwohl ihr noch nicht lange zusammen seit.


#11

Ilu danke für deine Offenheit.
Eine Frage hätte ich noch:
Du sagst die Bücher helfen sehr. Welche Bücher kannst du mir empfehlen?


#12

Hallo Teufelchen,
es ist ein Set aus 2 Büchern:
“Completely overcome Vaginismus - 10 Steps”. Ist halt auf englisch, das war bei uns aber kein Problem. So richtig gelesen und geholfen hat es allerdings erst, nachdem Sie Ihre Depressionen in den Griff bekommen hat, und nachdem unsere Sexualtherapeutin und ihre Mutter sie immer wieder dazu animiert haben (bei mir war sie da schon taub).
Hier noch ein link (einfach nur um das Cover zu sehen, will hier nix verkaufen): https://www.amazon.co.uk/dp/0973572817/ref=cm_sw_r_cp_awdb_qQ8MzbQVPGQHA


#13

Danke ilu :blush:
Auf dieses Buch bin ich auch schon gestoßen, aber ich shrecke vor dem Englischen etwas zurück.