Hallo an alle Mitleidenden!


#1

Hallo, ich habe mich grade hier neu angemeldet, da ich seit gestern das Buch “Wenn die Liebe schmerzt” habe und vieles nicht verstehe.
Ich bin 22 Jahre alt und leide seit ungefähr 6-12 Monaten an Vaginismus. Ich habe das für mich selbst entdeckt, nachdem ich im Internet geforscht habe.

Meine kurze Zusammenfassung:
Mit 15 hatte ich meinen ersten Freund. Meine große Liebe, mit der ich 4 Jahre zusammen war. Sexuell hat alles super funktioniert, es war der perfekte erste Sex meines Lebens! Das größte Vertrauen war da, ich konnte mich fallen lassen, brauchte mich vor nichts schämen, alles sagen und mit ihm über alles reden. Wir hatten so eine unglaubliche Anziehung zueinander, dass wir während der ganzen Beziehung jeden Tag Sex hatten.

Danach war ich leider mit einem Narzissten zusammen, den ich unglaublich begehrte, er aber mich sehr schnell nicht mehr. Ich war immer unglaublich selbstbewusst (trotz meiner manchmal schüchternen Art und Scham) was meine Fähigkeiten im Bett anging aufgrund des Feedbacks von meinem ersten Freund. Dieser Partner untergrub mein Selbstbewusstsein und mein Selbstwertgefühl enorm, wodurch das ganze Schlamassel, in dem ich heute stecke, anfing.
Ich hatte keine Schmerzen beim Sex, aber er hatte keine Lust sich groß zu bewegen, ich musste immer alles machen. Ich hatte mehr Lust auf ihn als er auf mich und ich fühlte mich zunehmend unattraktiv, nicht begehrenswert. Hinzu kam, dass er heimlich sehr viel Pornos schaute, sogar wenn ich da war. Ich vermute eine Pornosucht, die ihn einfach total abgehärtet hat. Ich hab ihn dann wohl einfach nicht mehr genug reizen können.
Kurzum: er hat mich total kaputt gemacht. Auch, weil er mich verarscht und betrogen hat.

Nachdem ich das herausgefunden hatte und mich trennte, lernte ich meinen jetzigen Freund kennen, mit dem ich praktisch schon seit fast einem Jahr zusammen bin. Schon seit dem ersten Mal gab es Probleme. Und nach dem 3. Mal hatte ich dann zum ersten Mal in meinem Leben einen Pilz, der mich völlig in Panik ausbrechen ließ.
Wir machen bis heute ohne Probleme alles andere voller Lust, nur das Eindringen und richtig Sex haben geht schon seit Monaten gar nicht mehr. Wir hatten bis Ende letzten Jahres alle paar Monate mal ein Erfolgserlebnis, wo es ging. Aber auch nicht so, dass ich mich wirklich wohl dabei fühlte.
Mit der Zeit wurde ich verschlossener, meine Lust überhaupt wieder Sex zu haben verabschiedete sich und meine Libido sank drastisch, was vor allem meinen Freund sehr belastet, da er wert darauf legt, dass ich auch dran arbeiten will. Klar, sonst bringt das alles nichts.
Weiß ich doch, dass ich mal total tollen Sex hatte und mir eine Beziehung ohne oder mit zu wenig Sex nicht vorstellen konnte, fehlt es mir heute schon gar nicht mehr. Es belastet mich schon, aber ich fühle mich einfach wie eine Jungfrau. Ich weiß nicht mehr, wie sich Sex anfühlt und die Angst vor Schmerzen und erneutem Pilz lähmt mich. Ich war Anfang März beim Frauenarzt mich durchchecken lassen und bei mir ist alles in bester Ordnung. Das beruhigte mich schon etwas.

Mein Freund ist sehr verständnisvoll und macht auch alles für mich, damit es mir wieder besser geht. Er würde es mir gerne abnehmen und ist bereit alles dafür zu tun, dass ich keine Schmerzen mehr habe. Der Sex fehlt ihm schon, jedoch ist es für ihn erträglich, da wir alles andere noch machen. Ich habe einfach Angst, dass er das irgendwann nicht mehr mitmacht, auch wenn er momentan immer sagt, dass er mich deswegen nie verlassen würde.

Als ich das Buch anfing zu lesen, bekam ich einen Heulkrampf. Warum ich? Und warum jetzt, wo ich so einen wundervollen Partner gefunden habe, der mich so sehr begehrt? Ich will wieder glücklich sein und Lust auf Sex haben!
Ich hoffe ich kann mich mit euch austauschen und steh nicht so alleine da. Mit anderen Betroffenen darüber zu reden ist noch mal anders, als mit dem Partner.
LG Rosenrot


Auch ich möchte mich nun vorstellen :)
#2

Hallo,

ich möchte auch einmal meine Geschichte hier teilen.
Ich bin 18 Jahre alt und habe schon seit fast 3 Jahren Vaginismus. Wahrscheinlich schon mein ganzes Leben lang, aber vor 3 Jahren merkte ich, dass etwas mit mir nicht stimmt. Damals war ich 16 und hatte meine erste richtige Beziehung. Wir wollten miteinander schlafen und eigentlich habe mich dafür auch bereit gefühlt, aber ich hatte so höllische Schmerzen, dass wir abbrechen mussten.
Ich wusste überhaupt nicht, was mit mir los ist. Meine Frauenärztin sagte, mit mir sei alles ok. Trotzdem konnte ich nicht mit meinem Freund schlafen. Er war verständisvoll, wollte aber, dass ich mich ‘dehne’ und übe usw. Er setzte mich regelrecht unter Druck.
Nichts hat funktioniert und ich verzweifelte immer mehr.

Nachdem unsere Beziehung zu Ende ging, lernte ich meinen jetzigen Freund kennen. Als wir uns das erste Mal näher kamen und intim wurden, musste ich ihm sagen, dass ich nicht mit ihm schlafen kann. In dem Moment hat er es überhaupt nicht verstanden und ich wusste auch nicht, warum ich nicht mit ihm schlafen konnte bzw. so starke Schmerzen dabei habe. Nach nur ein paar Monaten Beziehung beschlossen wir zusammen ein Auslandsjahr in Australien zu machen. Wir hatten die Hoffnung, dass es ohne den Stress und weit weg von Hause vielleicht klappen könnte. Aber es funktionierte immer noch nicht.

Mein Freund ist einer der positivsten Menschen, die ich kenne und deshalb gab er auch nicht auf und sagte, dass wir die Ursache des Problems finden werden. Eines Nachmittags stießen wir dann im Internet auf den Begriff Vaginismus. Alles passte auf meine Situation und zum ersten Mal sah ich, dass ich nicht allein war und dass sehr viele Frauen darunter leiden. Ich meldete mich zum Online Seminar von C. Amherd an und war voller Hoffnung. Kurze Zeit später wollten wir aber unseren Roadtrip starten. Einmal um Australien herum. Wenn man Auto wohnt, lässt sich die Online Therapie leider nicht umsetzen. Also legte ich die Therapie erst einmal auf Eis, bis wir zurük in Sydney sind und wieder eine Wohnung haben, in der ich ungestört üben kann.
Nun ist es soweit und ich kann endlich wieder weiter machen.
Es kostet mich sehr viel Kraft darüber zu reden/schreiben und mit der Therapie wieder von vorn anzufangen, aber mein Freund unterstützt und motiviert mich sehr.

Es ist sehr schön zu wissen, dass man nicht allein ist und andere dasselbe durchmachen, wie man selbst.
Rosenrot, ich wünsche dir viel Erfolg und Kraft. Das wünsche ich allen, die das gerade lesen und in der selben Situation sind.
Liebe Grüße aus Sydney


#3

Hallo Juliane,

Hallo auch von mir :slight_smile: Mir bzw. wohl uns allen hier geht es sehr ähnlich wie dir. Schön dass du die Ursache trotzdem relativ “früh” erkannt hast und jetzt weißt was mit dir los ist. Ich hab viel viel länger gebraucht um zu verstehen, wo überhaupt das Problem liegt.

Schön, dass es doch immer wieder so tolle, verständnisvolle Männer gibt. Wir Mädels dürfen uns da nicht unter Druck setzen lassen, sondern uns in dem Punkt auch erst mal ganz auf uns selbst konzentrieren. Das alles ist natürlich für jeden Mann schwierig, aber in meinen Augen ist das ein ganz großer Liebesbeweis, wenn er da so viel Geduld aufbringt.

Wünsche dir ebenso viel Erfolg :blush:


#4

Ich habe mittlerweile massive Probleme damit meinem Partner zu sagen, wenn ich etwas nicht möchte oder wenn sich etwas unangenehm/komisch/blöd anfühlt. Vorhin hatte ich dieses Problem wieder. Er merkt, dass etwas nicht stimmt, aber ich tue mich dann auch total schwer ihm zu sagen was los ist. Das kenne ich gar nicht von mir. Das macht mich echt fertig und ich fühle mich dadurch nur schlechter, da er es ja nicht wissen kann.
Hat jemand vielleicht auch das Problem?