Kostenloses Selbsthilfe-Training der Friedrich-Alexander-Universität


#1

Hallo liebe Forumsteilnehmerinnen,

an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg wurde „Paivina-Care“ entwickelt - ein onlinebasiertes Selbsthilfe-Training für Frauen mit Genito-Pelviner Schmerz-Penetrationsstörung (GPSPS), das ist die neue Fusionsdiagnose von Vaginismus und Dyspareunie im neuen Diagnosemanual DSM-5.

Mit dem Training möchten wir betroffene Frauen dabei unterstützen, ihre GPSPS Schritt für Schritt erfolgreich zu bewältigen und wieder Geschlechtsverkehr haben zu können. Die Teilnahme an dem Selbsthilfe-Training ist im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie kostenfrei. Das Training besteht unter anderem aus Entspannungs- und Beckenbodenübungen, Training mit Dilatoren und Partnerübungen. Wenn ihr mehr über unser Programm und unsere Studie erfahren möchtet, besucht unsere Website paivina-care.info.

Herzliche Grüße
Lina


#2

Ich habe mich vor sechs Monaten für die Studie beworben und bin in die Wartegruppe gekommen.
Jetzt geht’s endlich weiter, ich bin mal gespannt wie es wird.


#3

Hi CoLa!

Es würde mich interessieren, wie es weitergeht. Vielleicht kannst Du ja mal ab und an berichten? Danke! :slight_smile:


#4

Gerne,

ich bin jetzt grad bei Lektion 3. Das Programm ist so aufgebaut, dass man jede Woche eine Lektion machen sollte. Die Dauer der Bearbeitung pro Lektion ist mit etwa einer Stunde angegeben, also durchaus realisierbar. Die ersten beiden Lektionen waren eher etwas kürzer, die dritte dafür länger, da dort die Übungen anfangen.

In den ersten beiden Lektionen ging es darum, dass man sich über seine eigene Entstehungsgeschichte Gedanken macht und sich über die Motivation im klaren wird, warum man an dem Problem arbeiten möchte.

In der dritten Lektion starten jetzt die Übungen. Wenn man vorher das Buch von Claudia Amherd durchgearbeitet hat, ist es (zumindest bisher) gar nicht so unterschiedlich.
Zunächst wird dort auch die PMR zur Entspannung genutzt, dann gibt es einige Übungen, um den Beckenboden zu aktivieren, hier hab ich zurzeit noch Schwierigkeiten, aber die habe ich bei den Übungen von Claudia Amherd auch.
Am Ende der dritten Lektion wird dann das erste mal der Finger eingeführt.

Zusätzlich zu der einstündigen Lektion pro Woche, bekommt man Hausaufgaben auf. In den ersten Lektionen ging es zum Beispiel darum, dass man negativen Gefühlen und Gedanken, wie Angst vorm Einführen positive Gedanken und Gefühle entgegen setzen soll, zum Beispiel “ich schaff das schon” oder “es war nicht so unangenehm wie erwartet”.

Jetzt ist die neue Hausaufgabe die PMR möglichst täglich und das Einführen des Fingers dreimal wöchentlich zu üben.

Bisher sind also tatsächlich noch viele Parallelen zum Buch “wenn die Liebe schmerzt” erkennbar. Auch der Zeitaufwand ist wohl vergleichbar.

Ich erhoffe mit durch diese Studie neue Impulse und vielleicht doch den Aha-Effekt, den ich noch brauche. Ich werde euch auf dem Laufenden halten wie es weiter geht und wie mir die Studie hilft.

Schöne Grüße CoLa


#5

Lektion 4 nannte sich “selbst entdecken”. Es ging darum etwas über die eigene Anatomie zu erfahren und seinen Intimbereich mit einem Spiegel zu entdecken. Man sollte den Vaginaleingang beobachten und testen wie man die Öffnung größer oder kleiner machen kann. Also auch hier durchaus Parallelen zum Amherd Buch.

In Lektion 5 beginnt nun das Vaginaltraining. Das geht mir viel zu schnell und ich denke das bedarf noch weiterer Erklärung für Leute, die sich vorher noch gar nicht mit anderen Trainingsprogrammen beschäftigt haben.
In Lektion 5 wird nun gut erklärt wie man die Dilatoren einführen soll (zunächst PMR zur Entspannung, dann verschiedene Beckenbodenübungen nach Wahl, dann den Finger und dann den ersten Dilator). Das ist noch gut nachvollziehbar.

Allerdings hieß es ja zu Beginn, dass man sich für eine Lektion ungefähr eine Woche Zeit nehmen soll. In der fünften Lektion ist nun jedoch nicht nur davon die Rede, dass man einen Finger und den kleinsten Dilator einführen soll, sondern auch gleich zwei Finger, den zweiten und dritten bis zum vorletzten Dilator und den Finger des Partners.

Ich mach mir da keinen Stress, weil ich aus anderen Büchern, Forenbeiträgen oder Trainings weiß, dass das in einer Woche nicht zu schaffen ist, daher hab ich jetzt seit Wochen die erste Hälfte der Lektion offen. Wenn jedoch Frauen dieses Training machen, die sich davor weniger intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben, kann die Lektion schnell frustrierend sein und dazu führen das Training ganz zu lassen, weil der Eindruck erweckt wird andere Frauen kämen schneller voran.

Dies also mein zweiter Zwischenbericht. Zurzeit bin ich am zweiten Dilator dran. Wenn ich es weiter schaffe, werde ich auch in den Lektionen weiter arbeiten und euch wieder berichten.

Schöne Grüße CoLa


#6

Hey Cola :slight_smile:

Ich mache auch das Training und mir geht es genauso wie dir. Es geht viel zu schnell und Lektion 5 hab ich offen weil ich erst bei Dilator 3 bin.

Bist du jetzt schon durch?

Liebe Grüße


#7

Hi platzki,

schön, dass es hier noch jemanden gibt, die das Training macht.
Ich habe jetzt zweimal den dritten Dilator zur Hälfte rein bekommen, war allerdings etwas unangenehm, mit der Zeit (einige Minuten drinnen lassen und pulsieren) ging es aber.
Hier bin ich jetzt auch unsicher, da sich hier die Studie und Claudia Amherd widersprechen (Amherd sagt bloß keine Schmerzen, da sich das sonst das Schmerzgedächtnis merkt und in der Studie heißt es einen leichten Schmerz soll man akzeptieren).

Ich werde mich jetzt langsam weiter an den dritten Dilator herantasten, vor einem halben Jahr hätte ich noch gar nicht gedacht, dass das möglich ist.
Ich werde jetzt geduldig weiter üben und wenn ich den dritten Dilator sicher reinbekomme zur nächsten Lektion übergehen (in meinem Set sind vier Dilatoren, daher ist der dritte schon der vorletzte).

Wie übst du zurzeit?

Mein Übungsablauf sieht zurzeit so aus:

Zunächst mache ich PMR (wenn ich viel Zeit habe manchmal mit der kompletten Audiodatei, wenn es schnell gehen muss mache ich den Ablauf verkürzt und aus dem Gedächtnis).
Dann mache ich meist die Brezel-Übung und die kleine Brücke (auch tw stark verkürzt).
Dann führe ich kurz den Finger ein.
Dann kommt der erste Dilator (je nachdem wie gut es geht, lasse ich ihn kurz drin oder wenn es leicht geht, hole ich ihm gleich wieder raus und führe ihn ein paarmal ein).
Für den zweiten Dilator nehme ich mir etwas mehr Zeit (meistens lasse ich ihn einige Minuten drin, bis es sich gut anfühlt, dann nehme ich ihn ein paarmal halb raus und wieder rein und dann ein paar Mal ganz raus und wieder rein)
Wenn ich ein gutes Gefühl habe und der zweite Dilator einfach einzuführen geht, nehme ich mir den dritten vor (bisher gelang dies zweimal, mache ich aber auch erst seit letzter Woche. Der dritte Dilator dauert bei mir sehr lange bis ich ihn einführen kann. Ich versuche dann ruhig und tief zu atmen und bei jedem ausatmen schiebe ich ihn ein winziges Stück weiter rein. Bisher ist dies sehr unangenehm, aber wenn ich es dann geschafft habe, bin ich total glücklich und nach kurzer Zeit wird das Gefühl angenehmer)

Würde mich über einen kurzen Bericht von dir freuen, wie du zurzeit übst.

Schöne Grüße CoLa


#8

Jep, ich bin absolut gegen Schmerzen - auch leichte - bei der Anwendung von Dilatoren. Einerseits wegen dem Schmerzgedächtnis, wie du erwähnst.

Es gibt aber noch viele andere Gründe. Z.B:

  • Man spannt sich an - besonders den Beckenboden, dies erschwert das Einführen

  • Man sollte sich nicht selbst verletzen - besonders wenn man früher verletzt wurde. Sei dies emotional, nach Unfällen, bei einer Geburt, bei gynäkologischen oder sonstigen medizinischen Untersuchungen oder auch nach körperlichem oder sexuellem Missbrauch.

  • Sexualität soll schön und entspannt sein. Wenn Frau während des Einführens (auch leichte) Schmerzen empfindet, lernt sie nicht sich zu entspannen wenn etwas eingeführt wird. Dies erschwert auch Übungen mit dem Partner.

  • Die Motivation geht irgendwann Flöte

  • Die Angst davor Dilatoren einzuführen oder vor Schmerzen beim Einführen ist schwer zu bewältigen. Oft nimmt die Angst noch zu.

  • Es zieht das Üben mit Dilatoren sehr in die Länge und Dilatoren sollten nur so kurz wie möglich, aber so lange wie nötig verwendet werden.

  • Das Wichtigste bei der Bewältigung von Vaginismus ist Entspannung und nicht das Einführen von Dilatoren. Vaginaltraining ist lediglich eine Kontrolle, ob man sich selbst und den Beckenboden entspannen kann. Auch leichte Schmerzen, lassen Entspannung nicht zu (siehe oben).

  • Zu oft wird der “Fortschritt” einer Behandlung leider am “Erfolg” beim Vaginaltraining gemessen. Es ist klar messbar im Gegensatz zu Entspannung oder Beckenbodentraining. Das Ziel einer Behandlung ist jedoch nicht, Meisterin im Einführen von Dilatoren zu werden. Einführen von Dilatoren ist lediglich eine Hilfe, dass du entspannt und mit Leichtigkeit Sexualität geniessen kannst. Oder dass du lernst ohne Angst einen Tampon einzuführen oder ohne Angst und Schmerzen eine vaginale, gynäkologische Untersuchung zu überstehen.

Ein unangenehmes Gefühl ist aber völlig normal und okay. Alles was wir neu beginnen, ist erst einmal unangenehm. Eine Hilfe, welche Empfindung beim Vaginaltraining okay sind oder nicht ist die Sensation Scale.