Meine Erfahrungen in der Physiotherapie


#1

Hallo ihr Lieben

Wie einige von euch vermutlich bei meiner Vorstellung schon gelesen haben (Auch ich möchte mich nun vorstellen :)), habe ich mich neu motiviert und versuche nun eine neue Therapieform aus: Ich gehe diese Woche bereits zum 4. Mal in die Physiotherapie. Meine Erfahrungen würde ich gerne mit euch teilen, vielleicht kann ich damit ja jemandem helfen oder ihr habt lust mit mir zu plaudern :smiley:

Ich werde, sofern sich einige von euch dafür interessieren, wöchentlich meine Erfahrungen aus der Physiotherapie kurz (oder lang :wink: ) hier schildern, damit ihr meinen Weg mitverfolgen und euch vielleicht auch wieder neu motivieren könnt.

Also kurz zur Physiotherapie allgemein: Ein Spital verfügt neben “normaler” Physiotherapie auch über ein Beckenbodenzentrum. In diesem arbeiten Physiotherapeuten, die sich auf den Bereich des Beckenbodens spezialisert haben und mit verschiedenen Leiden bei denen der Beckenboden betroffen ist vertraut sind, also z.B. auch Vaginismus.

Erste Sitzung:
In der ersten Sitzung ging es darum zunächst meine Vorgeschichte (Seit wann leide ich an Vaginismus, welche Abklärungen, Therapien, etc. wurden bereits gemacht,…) besprochen und ein Ausblick auf mögliche Therapieinhalte gegeben.

Hausaufgaben: Als Hausaufgabe bekam ich drei kleine Übungen.

  1. Ich sollte mir vorstellen nach dem pinkeln sei ein Tröpfchen Urin nicht “abgetropft” und mir zunächst diese Situation genau vorstellen. Dann sollte ich mir vorstellen, dass ich das Tröpfchen zurück “ziehe” und dadurch den Beckenboden anspannen. Nach einer kurze Haltezeit, lässt man dann das Tröpfchen wieder los (dabei sollte ich mir ein “plopp” vorstellen.
  2. Eigentlich quasi die gleiche Instruktion nur geht es diesmal um einen Kern (z. B. ein Kirschkern) den man sich am Ausgang des Afters vorstellt. Auch diesen versucht man “einzusaugen”, hält die Spannung und lässt ihn dann wieder los (plopp).
  3. Bei der letzten Variante stellt man sich eine kleine, feine Dauenenfeder vor, die zum Eingang der Vagina schwebt und dort liegen bleibt. Danach stellt man sich vor diese nur ganz leicht anzusaugen, zu halten und später wieder loszulassen, damit die Feder weiterfliegen kann.
    Meine Physiotherapeutin sagte mir, es ginge dabei immer nur um sehr kleine, feine Bewegungen. Die Übungen sollte (und soll!) ich möglichst oft machen, jedoch in Ruhe, also nicht während dem ich z. B. fernsehe.
  4. Das Becken kippen und kreisen lassen

Zweite Sitzung:
Beim zweiten Termin bat mich meine Physiotherapeutin zuerst zu schildern, wie es mit den Übungen geklappt hatte. Bereits beim ersten Termin hatte sie mir erklärt, dass es die Möglichkeit gäbe Biofeedback einzusetzen. Dabei wird eine Elektrode vaginal oder anal eingeführt und die An- bzw. Entspannung des Beckenbodens wird visualisiert um dadurch die Wahrnehmung des Beckenbodens zu verbessern. Dafür würde sie, sofern ich damit einverstanden bin, meine Vagina genau anschauen, um herauszufinden, ob das vaginale Einführen der Elektrode bei mir möglich wäre. Dafür sollte ich mich ausziehen und auf einer Liege platzieren. Zuerst gab sie mir einen Spiegel, damit ich mich untenrum genau betrachten konnte. Anschliessend wollte sie schauen, ob sie bei mir einen Finger einführen kann.
Ich verspürte leider bei dem Versuch so gut wie sofort starke Schmerzen. Was bedeutet, dass bei mir die Vaginalelektrode nicht eingesetzt werden kann.
Sie gab mir danach erneut den Spiegel, damit ich die Veränderung zwischen an- und entspannen des Beckenbodens betrachten konnte. Weiter sagte sie mir ich sollte nicht nur Anspannen und Entspannen, sondern nach dem entspannen leicht “schieben”. Ich weiss nicht, ob das verständlich ist, aber es fällt mir schwer zu erklären, wie man das macht. Jedenfalls führt es zu einer kleinen aber sichtbaren Ausweitung.

Hausaufgaben:
I. gleiche wie nach dem 1. Termin plus “schieben” nach dem Entspannen
II. Die Physiotherapeutin gab mir eine Elektrode mit, damit ich zu Hause das anale Einführen ausprobieren konnte.

Dritte Sitzung:
Zu Beginn der dritten Sitzung sollte ich wieder rückmelden, wie es mir mit den Übungen ergangen war. Danach zeigte mir die Physiotherapeutin neue Übungen.

  1. Dafür sollte ich mich auf einer Liege (eine wie beim Arzt, nicht wie in Filmen beim Psychiater :joy: ) auf eine Wärmeflasche setzen und die Beine links bzw. rechts von der Liege herunterhängen lassen. Die Wärme wie auch die entstehene Dehnung sollen bei der Aktivierung des Beckenbodens helfen. Dabei sollte ich auch immer wieder den Beckenboden an- und entspannen (und “schieben”) und mein Becken kippen.
  2. Auf den Rücken legen, Beine aufstellen und eines über das andere schlagen (so dass z. B. der rechte Fuss beim linken Knie ist), danach das aufgestellte Bein umfassen und an den liegenden Körper heranziehen. Dadurch sollte eine Dehnung spürbar werden. Auch in dieser Position kann der Beckenboden an und entspannt werden. Natürlich wird das Bein danach noch gewechselt.
  3. Bauchlage: Ein Bein biegen (also Fuss Richtung Po) und den Fuss mit der entsprechenden Hand umfassen (also z.B. linker Fuss mit linker Hand) und ziehen. Es entsteht wieder eine Dehnung. Die Übung kann auch stehend gemacht werden (wird von vielen vor/ nach dem joggen gemacht), dann besteht aber die Gefahr, dass der Oberkörper durchhängt. Das Bein sollte auch leicht angehoben werden. Der Kopf liegt während der Übung auf dem Handrücken der freien Hand. Mit beiden Beinen gestreckt kann zudem wieder das Becken gekippt werden.

Weiter erklärte mir die Physiotherapeutin, dass ich wieder mit den Dilatoren üben sollte (das habe ich während meiner Zeit in der Sexualtherapie auch gemacht, und bin je nach Tagesform bis zum 3. von 5 Dilatoren gekommen). Dafür bekam ich eine Anleitung zum Üben, die in der Forschung verwendet wurde und sich als sehr hilfreich erwiesen hat. Es handelt sich dabei um ein 8 Wochen Trainingsprogramm, interessierten schicke ich gerne die Anleitung oder die Studie (Murina, Bernorio, & Palmiotto, 2008), die ich mir in der Zwischenzeit heruntergeladen habe.

Kurzgefasst geht es darum, dass der Dilator zuerst eingeführt wird und danach einige Minuten in der Vagina gelassen wird ( zu Beginn 10 Min. später, wenn mehrere Dilatoren gebruacht werden 5 Min.). Danach soll man den Dilator 8x ein- und ausführen (ohne ihn ganz aus der Vagina zu ziehen), anschliessend eine Pause machen und wieder 8x ein- und ausführen (insgesamt 3x). Diese Übung wir 3x pro Woche durchgeführt.

Hausaufgaben:

  1. Übungen von vorherigen Terminen
  2. Oben geschilderte Dehnübungen (mit Wärmeflasche) (am besten als Vorbereitung für die Übung mit den Dilatoren, dadurch wird der Beckenboden und die Vagina gut auf die folgenden Übungen vorbereitet => wärme dehnt :wink: )
  3. 3x pro Woche Übung mit erstem Dilator

So das wären die Inhalte un Übungen aus meinen bisherigen Sitzungen. Nun möchtet ihr vielleicht wissen, wie es mir ergangen ist. Die Übungen haben bis jetzt alle relativ gut funktioniert. Der Wiedereinstieg mit den Dilatoren hat auch gut geklappt. Ich habe gemerkt, wie wichtig es für mich ist gut angeleitet zu werden. Bei der Sexualtherapie (keine Psychologin) bekam ich keine wirklichen Anleitung zum Üben. Die damalige Therapeutin sagte mir lediglich ich solle immer mit dem kleinsten Dilator beginnen und die grösse steigern.
Obwohl ich damals bis zum 3. Dialtor gekommen bin, fühlte sich meine Scheide immer sehr eng an. Nun mit der Technik ist das anders. Zwar fühlt sich das Einführen noch komisch an, das Engegefühl vergeht aber während den 10 Minuten (dabei habe ich den Beckenboden immer wieder an- und entspannt). Beim bewegen des Dilators fühlte sich das herausziehen zuerst komisch an (kein richtiger Schmerz aber unangenehm), nach wenigem hin und her spüre ich ihn aber nicht mehr bzw. es fühlt sich sogar engenehm an.

Ich bin total überrascht wie gut es nun funktioniert hat und dadurch natürlich auch sehr motiviert für die nächsten Schritte.

Mein Bericht wurde nun leider sehr lange, aber ich hoffe er ist trotzdem lesenswert und würde mich sehr freuen von euch zu hören :smiley:

Eure Julia


#2

Hallo Julia,
Ich finde es toll das du dran bleibst und damit kämpfst… es ermutigt mich sehr… :heart:
Das mit der Wärmeflasche ist mir aufjedenfall neu - muss ich sofort ausprobieren. Ich trainiere selber fast jeden tag aber ich komme nicht weiter… hänge einfach am 2. Dilator :pensive:
Könntest du mir vielleicht das 8 wöchigen Trainingsprogramm zuschicken? Oder gleich hier ins Forum reinschreiben?
Wäre wirklich sehr lieb von dir. Halt uns auf den laufenden :pray:

LG :heart:


#3

Hallo :slight_smile:
Vielen Dank für den Beitrag! Das klingt sehr interessant… Ich selbst habe schon Probleme beim ersten Dilator, finde die sind sehr statisch… Mal im Vergleich zu dem Finger meines Freundes… Der ist mir da schon angenehmer. Dennoch wollt ich es gern nochmal mit den Dilatoren probieren und wäre deshalb auch an dem 8 wöchigen Programm interessiert.
LG und weiterhin viel Erfolg :blush:


#4

Hallo Labello46 und Melva

Zum 8 wöchigen Training, ich habe euch die Anleitung, die ich in der Physiotherapie erhalten habe (inkl. kleinen Ergänzungen von mir) gescannt und hier hochgeladen. Ich finde gerade das erwähnte üben mit dem Spiegel noch sehr hilfreich, aber vielleicht geht das nur mir so. Aber wenn ich das oben erwähnte “schieben” mache und sehe, wie ich weiter werde, kann ich mir nur schon besser vorstellen etwas in meine Vagina einzuführen.

Scan 31.10.2017, 15.24.pdf (774,9 KB)

Die Studie kann ich euch auch gerne schicken. Ich weiss aber nicht, ob ich diese hier einfach veröffentlichen darf, da sie aus einem kostenpflichtigen Journal stammt und ich über meinen Studentenaccount gratis Zugriff darauf hatte. Aber sonst kann ich sie euch evtl. anders zukommen lassen. Sie wäre einfach in englisch, aber vielleicht bereitet euch das ja keine Probleme, ansonsten könnte ich die wichtigsten Stellen daraus (dort wo das Training erklärt wird) auch übersetzen.

Zu deinem Problem Melva ich finde die Amielle Comfort Dilatoren auch sehr statisch und konnte mir nicht vorstellen diese einzuführen. Deshalb habe ich nach anderen gesucht und bin auf Dilatoren aus Silikon von Vagiwell gestossen und habe diese anstatt der Amielle Comfort bestellt. Ich habe sie hier bestellt: https://shop.inopharm.ch/kategorien/dehnungsstifte/vagiwell-dilator-p-set-mit-5-stuck.html
Sie beginnen, glaube ich, mit einem kleineren Durchmesser, was mich aber ganz und gar nicht stört :wink: Vielleicht wäre das etwas für dich, wobei es natürlich blöd ist ein neues Set zu bestellen, wenn d bereits eines hast, die sind ja nicht gerade günstig :frowning:

Falls ihr sonst noch fragen habt oder ich helfen kann, meldet euch gerne wieder. Falls ich nichts höre, melde ich mich nach meinem nächsten Termin bei der Physiotherapeutin bestimmt wieder.

Liebe Grüsse und viel Erfolg!
Julia


#5

Wenn du die Übung ‘Kirschkern einsaugen’ weglässt, wird das Einführen und Herausziehen des Dilators einfacher.


#6

Hallo ihr Lieben

Zuerst möchte ich mich dafür entschuldigen, dass ich in den letzten Wochen nichts mehr berichtet habe. Letzte und diese Woche habe ich keinen Termin, da meine Physiotherapeutin nicht kann. Ich werde, sofern keine Fragen von euch kommen, also vermutlich erst wieder in ca. 1 Wochen einen neuen Beitrag schreiben.

Nun zu den vergangenen Terminen in der Physiotherapie:

Vierte Sitzung & fünfte Sitzung:
Auch bei diesen Terminen sollte ich zu Beginn berichten, wie es mir in der vorherigen Woche so ergangen ist. Da ich das Einführen der Elektrode (anal) zu Hause ausprobiert hatte, konnte ich bei dieser Sitzung das Biofeedback ausprobieren. Ich finde das wirklich eine sehr hilfreiche Methode und würde es euch sehr weiterempfehlen, falls ihr die Möglichkeit dazu habt. Es ist wirklich auch kein Problem, wenn ihr die Elektrode nicht vaginal einführen könnt, anal sieht man die Aktivität des Beckenbodens auch sehr gut. Aber nun zurück zu meinen Erfahrungen.

Beim Biofeedback legte ich mich seitwärts auf eine Liege. Die Elektrode wurde mit einem kleinen Gerät mit Bildschirm verbunden und ich konnte es vor mir auf die Liege legen. Auf dem Bildschirm des Geräts sah ich die An- bzw. Entspannung meines Beckenbodens in Form einer Linie, die bei Anspannung ansteigt und bei Entspannung weiter nach unten geht. Ich musste mehrmals den Beckenboden an und wieder entspannen und jeweils die Spannung auch über einige Zeit halten.
Eigentlich sollte man beim Biofeedback sehen, dass nach mehrmaligen an- und entspannen die Linie beim Entspannen weiter sinkt. Bei mir war zwar der Unterschied gut erkennbar, aber ich konnte trotzdem nicht richtig entspannen (= die Linie so tief bringen, wie eigentlich gut wäre). Aber es zeigte sich, dass ich, wenn ich zwischen dem oben erklärten “schieben” und entspannen hin und her wechsle, sehr wohl genung entspannen kann.
Es war für mich also wirklich sehr hilfreich, da ich dadurch herausfand, dass für mich das Anspannen gar nicht so hilfreich ist, wie es eigentlich sein sollte. Es war auch toll diese Erfahrung auf dem Display sehen und den Verlauf verfolgen zu können.
Meine Physiotherapeutin erklärte mir, dass zwar bei den meisten Frauen das an- und entspannen wichtig und hilfreich ist, es aber auch sein kann (wie bei mir), dass diese Wirkung beim Wechsel zwischen “schieben” und entspannen (loslassen) entstehen kann. Sie sagte mir ich solle deshalb den Fokus vermehrt auf dieses “schieben” und loslassen legen (aber natürlich trotzdem auch noch das an- und entspannen trainieren).

Nach dem Biofeedback war mein vierter Termin schon so gut wie vorbei. Meine Hausaufgaben blieben unverändert (auch nach dem fünften Termin) aber ich sollte das neu erlangte Wissen integrieren (Fokus auf “schieben” und loslassen/entspannen).

Und wie sieht es nun bei mir mit dem Üben aus… Ich bin momentan ein wenig nachlässig geworden und mache die Übungen nicht mehr ganz so oft wie noch zu Beginn. Sie funktionieren aber super gut, bei den Dilatoren bin ich nun beim 3. angelangt. Was für mich, obwohl ich auch früher schon bis zu diesem Dilator gekommen bin, ein ziemlicher Meilenstein war. Ich spürte den Dilator nach der Wartezeit kaum mehr und konnte mir tatsächlich zum ersten Mal vorstellen, dass ich mein Ziel doch noch in naher Zukunft erreichen könnte und Sex möglich sein könnte/ wird.
Eigentlich war das sehr motivierend, aber da bei mir gerade viel los ist, habe ich leider trotzdem Mühe konsequent dran zu bleiben. Aber ich hoffe, dass ich es trotzdem schaffe weiterhin wenigstens 3x wöchentlich zu üben.

Liebe Grüsse
Eure Julia


#7

Hallo meine Lieben

Meine letzte Nachricht ist schon wieder einen Moment her, ich war in dieser Zeit aber auch nur einmal in der Physio, jetzt in der Weihnachtszeit ist es gar nicht so einfach einen neuen Termin zu finden, wenn einer nicht mehr passt.

Jedenfalls möchte ich euch nur ganz kurz von der letzten Sitzung erzählen und dann von meinen Fortschritten beim üben, ich bin ziemlich überwältigt :smiley:

Sechste Sitzung:
Nach längerer Pause hatte ich vor ca. 2 Wochen die sechste Sitzung. Zu Beginn gab ich wieder eine Rückmeldung wie ich mit dem Üben zuercht komme. Meine Physiotherapeutin fragte mich, ob sie nochmals versuchen dürfte einen Finger in meine Scheide einzuführen, um zu sehen wie es mit der Dehnung voran geht. Ich willigte ein, sagte ihr aber, dass ich mich unsicher fühle und nicht weiss, ob es in dieser Situation klappt.
Zunächst sollte ich darum selber meinen Finger einführen und sie schaute mit dabei zu und gab mir Anweisungen, ich sollte z.B. den Beckenboden anspannen und wieder loslassen oder den Finger drehen und spüren. Da ich ihr sagte, dass ich es sehr unangenehm finde, wenn ich mich mit eingeführtem Dilator (auch nur leicht) bewege, gab sie mir auch noch den Tipp das Becken ganz saft hin und her zu kippen. Auch das versuchte ich dann gleich.
Da es mit dem Finger so gut geklappt hatte, entschied sich meine Physiotherapeutin dazu nicht zu versuchen, ob sie den Finger einführen kann.
Ich sprach auch noch an, dass ich nicht immer genügend Zeit zum üben finde. Sie sagte mir, dass ich umbedingt 2x pro Woche (besser 3x) üben soll und dass ich auch einen Tampon einführen könnte (auch ohne Periode) und diesen einfach über eine Weile in der Vagina lassen könnte.

So nun zu meinen Erfahrungen. Zuerst etwas ernüchterndes: den Tampon konnte ich zwar einführen (zum ersten Mal!!) aber es war extrem unangenehm, also nicht das Einführen, sondern das herausnehmen nach einer Zeit, ich denke das liegt daran, dass die Oberfläche des Tampons nicht glatt ist und die Wirkung des verwendeten Gleitgels nicht sehr lange anhält. Ich werde es bei meiner nächsten Periode aber sicher wieder versuchen.
Nun aber zu meinem Erfolg: Ich konnte nun bereits 2x alle Dilatoren einführen. Grösse 1-4 geht nun problemlos, den kleinsten lasse ich sogar jeweils weg. Der grösste ist noch ein wenig unangenehm. Ich kann ihn direkt bis etwa in die Mitte einführen, dann spüre ich ein leichtes brennen und warte, drehe ihn hin und her. Mit der Bewegung (siehe Beschreibung der Übung oder Scan weiter oben), geht er dann aber auch vollständig rein. Zum Schluss der Übung spüre ich selbst den grössten Dilator nur noch leicht bzw. das unangenehme Gefühl ist vollständig weg.

Nun bin ich gespannt auf die nächste Physiotherapie Sitzung und hoffe neue Tipps und Unterstützung zu erhalten :slight_smile: Ich habe in der letzten Sitzung bereits angesprochen, dass ich bald meinen Freund ins üben einbeziehen möchte. Wahrscheinlich werde ich mit ihr dieses vorgehen noch genauer besprechen.

So ich versuche mich bald wieder zu melden und hoffe es ist für euch weiterhin interessant einen Einblick in meine Therapie zu erhalten :slight_smile:

Liebe Grüsse und eine schöne Adventszeit :christmas_tree:
Julia


#8

Hall Julia,

ich finde es schön, dass du dir soviel Zeit nimmst, von deinen Sitzungen zu erzählen!

Zum Tampon einführen: Tampons sind immer unangenehm beim herausziehen, wenn man den Tampon zu früh entfernt, auch während der Menstruation. Frauen, die nicht unter Vaginismus leiden, empfinden dies genauso. D.h. Tampons einzuführen, wenn du nicht deine Periode hat, ist keine so gute Idee.

Der richtige Zeitpunkt während der Periode, den Tampon zu entfernen, ist nach ca. 3-4 Stunden, wenn er richtig “voll” ist. Man spürt, wann der richtige Zeitpunkt ist, wenn man ganz leicht zieht und sich der Tampon leicht bewegt. Sitzt er fest und du müsstest stark ziehen, um ihn zu entfernen ist es noch zu früh - es brennt, sticht und ist unangenehm.

Wichtig ist auch, dass du die richtige Grösse wählst, die der stärke der Blutung entspricht. An leichten Tagen eher einen kleineren, bei starker Blutung eher einen grösseren (erkennbar an der Tropfen-Zahl).

Tipp: verschiedene Marken ausprobieren, auch solche mit Einführhilfe. Viele Frauen empfinden diese als angenehmer, da die Tampons weicher sind und sich angenehmer anfühlen beim entfernen, als solche ohne Einführhilfe.


#9

Hallo Julia,

Ich wollte dir auch danken, dass du hier so ausführlich von deinen Erfahrungen erzählst.
Ich habe nun eine ganze Zeit lang den Vaginismus beiseite geschoben, da es mir irgendwie nicht gut getan hat mich damit zu beschäftigen. Ich möchte nun aber wieder langsam anfangen, mit Übungen, Meditation und anderem. Ich habe noch nicht alles von dir gelesen, werde ich aber auf jeden Fall.
Auch wenn es manchmal so wirkt als spräche man hier mit sich allein im luftleeren Raum, ich bin sicher da draußen gibt es noch so viele Betroffene mehr, die hier mitlesen und denen das hilft. :relaxed:


#10

Hallo ihr Lieben

Lange habe ich nicht mehr von mir hören lassen, aber nun finde ich endlich Zeit dafür. Kurz vor Weihnachten hatte ich eine Sitzung in der Physiotherapie, seit dann war hatte ich keinen Termin mehr, was aber so geplant war. Anfang Februar wir mein nächster Termin sein. Die Schilderung der siebten Sitzung fällt kürzer aus. Aber das wesentliche sollte trotzdem enthalten sein :slight_smile:

Siebte Sitzung:
In der letzten Sitzung im Dezember ging es in erster Linie darum wie ich meinen Freund ins Üben einbeziehen kann. Die Physiotherapeutin gab mit verschiedene Tipps, wie ich ihn miteinbeziehen kann. Sie sagte mir es wäre sicher gut, wenn ich ihm zuerst genau erkläre was ich mit den Dilatoren mache (was ich vorher auch schon erklärt habe, aber zu diesem Zeitpunkt hatte mein Freund die Dilatoren noch nicht gesehen). Ich solle ihm die Dilatoren auch zeigen und in die Hand geben, um “Berührungsängste” abzubauen. Anscheinend kommt es z.T. auch vor, dass Männer die Dilatoren fälschlicherweise als “Lustobjekt” missinterpretierten und sich dadurch eingeschüchtert fühlen.
Weiter legte mir die Physiotherapeutin nahe neben dem Üben mit meinem Freund konsequent auch alleine noch zu üben und das gemeinsame Üben nicht zu erzwingen.
Für das genaue Vorgehen beim gemeinsamen Üben gab sie mir auch Tipps. Ich könne z.B. zuerst selber einen Dilator (am besten einer ca. in der Grösse eines Fingers) einführen und meinen Freund zuschauen lassen und nach dem wiederholen der Bewegung den Dilator an meinen Freund “abgeben”, damit er den Dilator bewegen kann. Dafür entschied ich mich dann auch.
Meine Physioterapeutin machte mich auch noch darauf aufmerksam, dass ich auch wenn es dann irgendwann mit dem Sex klappe weiter mit den Dilatoren üben soll. Insbesondere falls es Zeiten ohne Partner geben wird.
Wir besprachen auch mein Problem mit dem eingeführten Tampon (siehe letzter Beitrag). Die Physiotherapeutin riet mir bis zur nächsten Periode keine Tampons mehr einzuführen. Sie zeigte mir auch einen tampon-ähliches Hilfsmittel, das ich einführen könnte. Dieses habe eine andere Oberfläche, wodurch das unangenehme Gefühl beim herausziehen wegfallen sollte. Da dieses Hilfsmittel aber zusätzlich kosten würde, empfahl sie mir zuerst während der Periode mit Tampons zu üben und falls ich bei der nächsten Sitzung noch Bedarf habe, könne ich auch erst dann eines kaufen.

So das wäre fürs Erste alles aus der Physiotherapie. Jetzt interessiert es euch sicher, wie es mit mit der Partnerübung erging. Mein Freund und ich haben seit der letzten Physiotherapie Sitzung nur einmal gemeinsam geübt. Was an der Weihnachts-/Neujahreszeit lag in der viel los was, aber auch daran, dass ich gerade in der Prüfungszeit der Uni bin. Leider läuft es zur Zeit in unserer Beziehung auch nicht gerade super rund, was sich auch in der fehlenden Motivation für das gemeinsame Üben zeigt.
Das eine gemeinsame Üben war aber ziemlich gut. Natürlich war ich durch die ungewohnte Situation zuerst ein wenig angespannt. Es war aber kein Problem den 2. Dilator trotz Anwesenheit meines Freundes einzuführen. Ich bewegte den Dilator zuerst selber ein paar mal und liess danach meinen Freund übernehmen. Das klappte gut, so dass ich ihn de Dilator auch einmal ganz herausziehen und selber wieder einführen liess. Auch das klappte super. Als nächstes führte ich (unter meiner Kontrolle) einen seiner Finger ein und zeigte ihm dann auch wie ich den Beckenboden an- und entspannen kann, was er natürlich auch direkt spürte. Er konnte den Finger dann auch selber bewegen, herausziehen und ohne meine Kontrolle wieder einführen.
Das gemeinsame Üben war also eigentlich sehr erfolgreich :smiley:

In der letzten Zeit kam ich aber auch alleine wieder nicht mehr so oft zum Üben, was sich aber nach meinen Prüfungen sicher wieder ändern wird. In der Zwischenzeit hatte ich auch meine Tage und konnte einen neuen Versuch mit den Tampons starten. Es klappte sehr gut und weder das einführen noch das herausziehen waren unangenehm. Ich habe Tampons mit Einführhilfe verwendet, solche ohne versuchte ich auch einzuführen, was aber nicht so gut klappte und irgendwie auch unangenehm war.

Zum Schluss noch kurz vielen Dank für deine Antwort @Sunny, es ist sehr schön zu hören, dass meine Schilderung anderen hilft oder sie zumindest interessiert. Ich wünsche dir viel Erfolg mit den Übungen! Darf ich dich fragen, wie du die Meditation genau einsetzt? Gehst du in einen Kurs oder hast du z.B. eine CD dafür? Würde das evtl. auch gerne ausprobieren :slight_smile:

Liebe Grüsse
Julia


#11

Ich war heute bei meiner Frauenärztin und habe sie um eine Verordnung für Physiotherapie gebeten. Sie hat dies verneint, da sie sich nicht vorstellen kann, dass es mir helfen kann und sie Sorge hat, dass meine Krankenkasse die Kosten nicht übernimmt und sie am Ende zur Kasse gebeten wird.

Ich kann ja verstehen, dass sie nicht auf den Kosten sitzen bleiben will und möchte ja auch nicht, dass sie dieses Risiko eingeht.

@Julia wie hast du damals die Verordnung bekommen? Hast du die problemlos von deiner Frauenärztin bekommen oder hast du im Vorfeld bei deiner Kasse angefragt?

Ich habe dann weiter mit ihr gesprochen, dass ich mich über das Thema informiert habe und von einigen Frauen gehört habe, dass ihnen Physiotherapie geholfen hat. Sie meinte dann, sie wolle mir auf keinen Fall im Weg stehen und würde mir die Physiotherapie auch gerne verschreiben, bat mich aber mir im Vorfeld von meiner Krankenkasse das ok zu holen.

Gibt es noch andere Frauen, die Erfahrung mit Physiotherapie haben und mir Tipps geben können?

Ich werde erstmal weiter meine Übungen machen und wenn ich merke, dass ich nicht voran komme mich einmal mit meiner Kasse auseinander setzen, bzw. Praxen in meiner Nähe suchen, die Physiotherapie bei Vaginismus anbieten.