Soll ich es ihm sagen?


#1

Hallo ihr Lieben,

ich habe die letzten Stunden damit verbracht, die letzten Beiträge in diesem Forum zu lesen und fühle mich endlich nicht mehr ganz allein mit meinem Problem, danke :slight_smile: Mir ist aufgefallen, dass die meisten von euch einen festen Partner zu haben scheinen. Vielleicht war ja trotzdem schon mal eine von euch in einer ähnlichen Situation wie ich. Ich hab leider keine Ahnung, was ich machen soll und hoffe, dass jemand von euch einen Rat für mich hat. Okay… ich bin 24 Jahre alt und bin mittlerweile seit fast 4 Jahren Single. Mit meinem Exfreund hatte ich eigentlich nie wirklich richtigen Sex, eben aus diesen Gründen, die ihr sicher alle kennt: es tat einfach weh und ich hatte ständig das Gefühl, dass ich zu eng wäre bzw nicht normal. Nachdem wir uns getrennt hatten, habe ich mich die letzten Jahre eigentlich kaum mehr mit dem Sex-Thema beschäftigt. Es war nicht wichtig für mich und wirklich Lust hätte ich darauf auch nicht gehabt, ich hab es sozusagen einfach verdrängt. Das ärgert mich jetzt natürlich sehr doll, weil ich die Zeit einfach ungenutzt habe verstreichen lassen… Kurz nachdem ich Single geworden bin, hat sich auch ein Kumpel von mir von seiner Freundin getrennt. Da wir beide von dem jeweils anderen wussten, dass er von seinem Expartner sehr verletzt wurde, hatten wir noch eine Gemeinsamkeit und auch so haben wir uns schon die ganze Zeit gut verstanden. Irgendwann (das ist mittlerweile Jahre her) haben wir uns dann das erste Mal geküsst und nach Diskobesuchen ein bisschen miteinander rumgemacht. Wir hatten beide genug von der Liebe und Beziehungen und deswegen war es für uns beide okay, einfach ab und zu mal ungezwungen was miteinander zu machen und da er weiß, dass es für mich schwer ist, mich auf jemanden einzulassen, hat er sich wahrscheinlich auch nie gewundert, dass ich nicht mit ihm schlafen wollte. In den letzten Monaten ist unser Kontakt nun irgendwie enger geworden. Ich studiere nicht mehr in meiner Heimat, bin also weggezogen und ich glaube, ab diesem Zeitpunkt haben wir gemerkt, dass uns schon was aneinander liegt und wir uns sogar irgendwie vermissen. Ich weiß, dass er auch ziemlich sensibel ist und Probleme hat über Emotionales und Gefühle zu sprechen und sich in dieser Hinsicht zu öffnen. Deswegen hat es mich umso mehr erstaunt, dass er mir gesagt hat, dass er mich vermisst, es cool findet wie es zurzeit bei uns läuft und er sich auf die kommende Zeit freut. Als ich über den Jahreswechsel mal wieder länger in der Heimat war, haben wir uns sehr oft gesehen und bis auf den Geschlechtsakt an sich auch wirklich alles miteinander gemacht. Irgendwann letztens hat er mir dann wirklich ganz süß gesagt, dass er Lust hätte, richtig mit mir zu schlafen und hat gefragt, wie ich denn dazu stehe. Ich solle mich aber nicht unter Druck gesetzt fühlen und nicht den Eindruck bekommen, dass es ihm nur um das Eine ginge. Daraufhin hab ich ihm dann geantwortet, dass ich auch gern mit ihm schlafen würde, aber jetzt noch nicht und dass ich ihm vorher etwas erzählen müsste. Er hat das dann verstanden, hat gesagt, dass es okay für ihn ist, weil wir ja noch nicht so lange so eng miteinander sind usw. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass das Sex-Thema irgendwie zwischen uns steht. Er wird sich - verständlicherweise - wahrscheinlich fragen, was mein Problem ist und weiß vielleicht auch nicht, wie er mit meiner letzten Aussagen diesbezüglich umgehen soll. Ich würde wirklich so gern mit ihm schlafen, nur hab ich Angst, dass es nicht funktionieren könnte, weil ich - wenn ich ganz ehrlich bin - noch nie richtigen Sex hatte. Er wäre der erste, mit dem ich das wieder probieren würde (nach 4 Jahren) und wenn es nicht klappen würde, fänd ich das einfach nur peinlich. In letzter Zeit übe ich ab und zu mit den Dilatoren und bekomme den größten mit Mühe und Not zur Hälfte rein, irgendwie finde ich das nicht gerade motivierend…
Nun meine Frage: Würdet ihr es ihm an meiner Stelle alles erzählen? Ich müsste ihm ja sozusagen mein halbes Herz ausschütten und das ist sowas von schwer für mich. Bisher habe ich die Freundin gespielt, die ab und zu mal ganz locker und ungezwungen mit ihm rumgemacht hat. Dass ich das in Wirklichkeit ganz und gar nicht bin, würde dann ja rauskommen. Natürlich hab ich auch Angst, dass er das mit uns (was auch immer es ist) dann beenden würde oder dass er sich zwingen muss, verständnisvoll zu sein, obwohl er darauf vielleicht gar keinen Bock hat. Oder was ist, wenn er verständnisvoll ist, wir es versuchen und es trotzdem einfach nie klappt? Ich verstehe nicht, warum ich nicht einfach normal sein kann und warum ich immer alles kompliziert machen muss :frowning: Außerdem hab ich mir schon darüber Gedanken gemacht, die Sache von mir aus zu beenden, einfach damit er sich nicht weiter mit mir rumschlagen muss. Es gibt so viele, mit denen er sofort Sex haben könnte bzw welche, die ihn nicht so ewig hinhalten würden. Ich glaube aber, dass das auch echt mies von mir wäre, weil ich weiß, wie schwer es auch ihm fällt, sich emotional wieder auf jemanden einzulassen und ich ihn einfach auch nicht enttäuschen möchte. Des Weiteren wäre das Ganze auch endlich mal wieder eine Chance für mich, das mit dem Sex mal wieder zu versuchen. Es hat nämlich wirklich lange gebraucht bis ich einigermaßen Vertrauen zu ihm aufgebaut habe und ich hab ihn auch wirklich gern… Die Situation ist momentan einfach richtig beschissen, weil ich keine Ahnung habe, was ich machen soll. Sie beschäftigt mich und macht mich noch wahnsinnig, weil ich mich ihm gegenüber so unehrlich fühle und gleichzeitig Angst habe, was rauskommen könnte, wenn ich es ihm sage. Immerhin war das ja bisher immer locker und ungezwungen zwischen uns und wahrscheinlich haben wir beide keine Ahnung, was wir wirklich voneinander wollen. Das einzige was ich weiß, ist, dass das mit uns beiden jetzt schon mehrere Jahre (natürlich waren da auch Wochen dazwischen, in denen wir uns mal nicht gesehen haben oder uns körperlich nicht nahe gekommen sind) und er auf meine Frage hin meinte, dass er in dieser ganzen Zeit auch keine andere außer mich hatte. Irgendwie spricht das ja alles dafür, ihm von meinem Problem zu erzählen, aber ich habe trotzdem solche Angst! :frowning: Es kommt noch hinzu, dass wir beide denselben Freundeskreis haben und ich das Gefühl habe, dass das letzte bisschen freundschaftliche Distanz zwischen uns flöten gehen würde, wenn ich es ihm erzähle und ich möchte ihn unter keinen Umständen verlieren (was auch immer wir nun füreinander sind). Wenn man jemanden neu kennenlernt und derjenige kein Verständnis für das Problem hätte, dann könnte man denjenigen einfach abschießen, man müsste sich nie wieder sehen und die Sache wäre erledigt. Dass man aber denselben Freundeskreis hat, macht die Sache also nun nicht unbedingt einfacher. Sorry, dass das alles so lang geworden ist. Danke an alle, die sich überhaupt die Mühe gemacht haben, das alles zu lesen. Über Antworten würde ich mich sehr freuen, mich würden eure Meinungen so interessieren. Dankeschön!
Liebe Grüße
Rita


#2

Liebe Rita,

da hast du ja wirklich viel Redebedarf, die Worte sprudeln ja förmlich aus dir heraus.

Ich hatte beim Lesen insgesamt das Gefühl, dass du es ihm sagen solltest.
Da ihr euch schon so lange kennt und immer mehr liebt, denke ich ist eine gute Basis vorhanden ein so intimes Thema anzusprechen.
Die Idee ihn evtl von dir aus zu verlassen finde ich verrückt (zumal dann ja immer noch der gleiche Freundeskreis ist). Würde es ihm um Sex gehen, hätte er dich vermutlich schon längst verlassen.
Da er zu dir hält, auch wenn er mit dir keinen Sex hat, deute ich daraus, dass es ihm wirklich um dich als Person geht.
Wenn du ihn weiter hinhältst und nicht ehrlich mit ihm bist, wird er vielleicht seine Gedanken machen und die falschen Schlüsse ziehen. Wenn du ihm sagst: “es gibt etwas, was ich dir vorher sagen muss”, kann ich mir nur ungefähr vorstellen was für ein Kopfkino sich in ihm abspielt.
Versuch es ihm zu sagen, auch wenn es schwer fällt.
So wie du ihn beschreibst, ist die Chance groß, dass er damit klar kommt.
Sag ihm, dass du an dem Thema arbeiten möchtest und schon Fortschritte machst (größter Dilator zur Hälfte ist großartig!).
Gib ihm Infos oder Tipps wo er sich Infos zum Thema Vaginismus einholen kann.
Als bei mir das Thema aufkam, war mein Freund es, der sich sehr intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt hat und viel recherchiert hat.

Ich wünsche dir alles Gute.

Falls du dich dazu durchringst ihm offen von deinem Problem zu erzählen, berichte doch gerne, wenn du magst, in diesem Forum. Das kann vielleicht auch anderem Frauen helfen.

Schöne Grüße CoLa


#3

Hi CoLa,

danke für deine Antwort und die lieben Worte, das macht mir ein bisschen Mut :slight_smile:

Eigentlich sollte man ja zu sich selbst als Person stehen, nur leider fällt mir das unglaublich schwer, weil ich bisher immer so getan habe, als wäre ich locker und hätte die Sache mit uns absolut im Griff. Nur leider ist das ja nun gar nicht so. Sich so vollkommen zu öffnen ist extrem schwer für mich.
Noch dazu kommt, dass ich seine Exfreundin auch kannte und dass die beiden normalen und höchstwahrscheinlich auch guten Sex miteinander hatten, stärkt mein Selbstbewusstsein nicht gerade, es ihm zu sagen…
Momentan würde ich mich am liebsten irgendwo verkriechen und erst mal für eine Weile nicht mehr rauskommen :pensive:
Ich hab auch wirklich Angst, dass es nie klappen könnte, selbst wenn ich es ihm sage. Das wäre mir extrem unangenehm und irgendwie peinlich…

Wie war das bei dir, als du mit deinem Freund zusammen gekommen bist? Hat sich im Laufe eurer Beziehung erst gezeigt, dass du Probleme hast oder wusstest du das schon, als ihr euch ineinander verliebt habt?
Finde es aber echt schön, dass er sich da so Mühe gegeben hat.

Sollte sich bei mir etwas ergeben, werde ich es auf jeden Fall hier posten :slight_smile:

Liebe Grüße
Rita


#4

Liebe Rita,

ja das zu sich stehen ist schwer. Besonders für uns Vaginismus-Frauen, weil wir uns nur als halbe Frauen fühlen (zumindest war das bei mir so).

Nun stehe ich voll und ganz zu mir. Bin aber mittlerweile schob 50. Es gibt mir Kraft und Mut endlich zu mir zu stehen und sogar mit anderen darüber zu sprechen. Es ist keine Schande Vaginismus zu haben. Es gibt nichts worüber du dich schämen oder minderwertig fühlen musst. Es ist eine Krankheit wie so viele Andere. Sie ist nur so tabuisiert, weil wir nicht darüber sprechen. Weil wir sie still erdulden, anstatt laut aufzuschreien.
Und weil wir nicht darüber sprechen, gibt es auch so wenig Therapeuten. Traurig aber wahr.

Es gibt eine Porno- und Sexindustrie und darüber sprechen alle. Alles kein Problem mehr und salonfähig. Aber dass Frauen Schmerz beim Sex haben oder keine Penetration haben können, weil sie irgendwann verlernt haben ihren Beckenboden entspannen zu können, darüber darf man nicht sprechen.

Warum eigentlich nicht?
Wir sind im Jahre 2018 und nicht mehr im Mittelalter.

Vaginismus ist heilbar, bei manchen geht es schneller, bei manchen ist es ein längerer Prozess. Aber es ist machbar. Steh zu dir und lass dir helfen.

Schau was ich in dem Buch “Ending female pain” gelesen habe:

"For my readers:
The journey can be long.
You must go where you haven’t been before.
You will be tested in ways that you think you may not survive.
Know that you are strong.

Listen to your soul when it talks to you,
may this manual awaken the inner healer within you,
putting you on the road to a faster recovery.

Remember your choices today create your destiny tomorrow
nothing is written in stone and your own healing is within your grasp.
Reach for it with all your mind an don’t let go.

It is in my hope that this book sheds lights on your journey
so your heart can sing and be
as free as a cool breeze on a warm summer night.

Become the heroine of your own story".

Alles Liebe
Ivi


#5

Hallo liebe Rita,

ich finde deinen Text wirklich mutig und ich kann deine ganze Gefühlslage gut verstehen.
Ich habe meinen Freund vor knapp 5 Jahren fast genauso kennengelernt wie du.
Der war auch vorher in einer Beziehung in dem ihm das körperliche gefallen hat, aber das menschliche hat überhaupt nicht harmoniert. Seit den ersten Anzeichen von Vaginismus ist er an meiner Seite und ist eine große Unterstützung für mich.

Und bei dir klingt es ja so, als würdet ihr euch beide total anziehen. Daher glaube ich, wenn du Vertrauen zu ihm hast, solltest du riskieren dieses sensible Thema anzusprechen.
Und Sorgen bzgl seiner Exfreundin (deiner Bekannten) brauchst du dir ganz sicher nicht machen, denn wenn bei den beiden alles so perfekt gewesen wäre, dann wären sie ja noch zusammen.
Und auch das mit dem Schlechtmachen und Verkriechen kenne ich zu gut. Aber versuch deinen Kopf oben zu halten!
Du bist eine tolle Frau und hast deine persönlichen Stärken und Vorzüge, dass darfst du bloß nicht vergessen.
Macht euch doch einen gemütlichen Abend zusammen und sprich das Thema einfach an.
Nur Mut :slight_smile:

Lg
Cinderella


#6

Vielen Dank für eure lieben und aufmunternden Worte, Ivi und Cinderella :relaxed:
Es fühlt sich gut an, mit dem Problem nicht alleine zu sein und von euch verstanden zu werden. Ich bin wirklich froh, dass ich das Forum hier gefunden habe. Manchmal spreche ich zwar mit meiner besten Freundin darüber, aber es ist immer noch mal was anderes, mit jemanden zu reden, der genau dasselbe oder zumindest ein ähnliches Problem hat :slight_smile:

Ich finde das Buchzitat sehr schön und inspirierend, Ivi, sehr tolle Worte. Dem, was du sagst, kann ich vollkommen zustimmen, ich empfinde das ganz genau so. Es wird immer und überall so viel über Sex gesprochen und es gibt einen totalen Hype um das Thema. Das hat natürlich zur Folge, dass man sich noch verunsicherter und unnormaler fühlt, wenn man weiß, dass es mit dem Sex bei einem selbst nicht so gut klappt… Ich freue mich für dich, dass du das Selbstbewusstsein gefunden hast, vollkommen zu dir selbst zu stehen. Umso mehr hoffe ich, dass das mir und vielen anderen in diesem Forum mit der Zeit auch noch gelingen wird :slight_smile:

Liebe Cinderella, es tut gut zu wissen, dass du meine Situation verstehen und das alles nachempfinden kannst. Wie war das damals bei dir und deinem Freund, hast du ihm dann von deinem Problem erzählt oder hat sich das bei euch ganz anders ergeben?
Ich glaube, wenn es das Sex-Thema nicht geben würde, würde ich gar nicht so sehr an seine Exfreundin denken… Aber leider gibt es das Thema nunmal… trotzdem hast du natürlich recht: ich sollte mir vor Augen halten, dass die beiden noch zusammen wären, wenn wirklich alles bei ihnen gestimmt hätte.
Nachdem ich jetzt ein paar eurer Meinungen gehört habe, werde ich das Thema wahrscheinlich wirklich ansprechen. Ich weiß noch nicht, wann und wie genau, aber ich finde wirklich, dass ich es langsam tun sollte. Nach der gemeinsamen Zeit, die wir bis jetzt zusammen hatten, hat er es wirklich verdient, dass ich ehrlich zu ihm bin. Das wird schwer für mich, aber ich denke, dass es trotzdem das beste ist…
Kopf hoch und dann wird das schon, hoffe ich. Danke dir! :slight_smile:

Liebe Grüße
Rita


#7

@Rita

Wir haben erst im Laufe unserer Beziehung rausgefunden, dass ich Vaginismus habe.

Wir haben uns lange mit dem Sex Zeit gelassen. Als es dann irgendwann auch beim dritten Versuch nicht klappte, war ich ziemlich verzweifelt und habe nur noch geheult. Es war das Gefühl da: alle Welt macht es doch, selbst 14 jährige Mädchen machen es schon und ich kriege das mit 30 nicht gebacken!
Er hat mich dann gut getröstet und hat mir das Gefühl gegeben, dass wir uns gerne noch länger Zeit nehmen können und dass Sex nicht alles ist.

Ich habe das dann beim nächsten Frauenarzt Termin angesprochen. Ich dachte zunächst, dass es vielleicht am Jungfernhäutchen liegt, da ich noch Jungfrau bin.
Meine Ärztin sagte mir, dass alles in Ordnung sei und dass auch das Jungfernhäutchen so dehnbar ist, dass Sex wahrscheinlich ohne Verletzung dessen ablaufen müsste.
Als sie mir dann sagte, dass meine Beckenbodenmuskeln zu verspannt sind, habe ich das meinem Freund mitgeteilt.
Er hat dann recherchiert und ist auf die Bezeichnung Vaginismus gestoßen. Daraufhin hat er dann auch dieses Forum gefunden und das Buch von Claudia Amherd gefunden.

Erst dadurch habe ich mich dann auch intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt.

Schöne Grüße CoLa


#8

Liebe Rita,

ich (23) kann deine Bedenken und Zweifel extrem gut nachvollziehen. Ich war bei meinem jetzigen Freund in fast der selben Situation. Der einzige Unterschied ist, dass wir uns vorher noch nicht so lange kannten. Aber trotzdem macht man sich ja diesbezüglich ähnliche bzw. gleiche Gedanken.

Ich habe auch ewig mit mir gerungen, wie und ob ich es ihm sagen soll. Für mich stand auch die Frage im Raum, ob es mit dem Sex nicht vielleicht sogar funktionieren würde, wenn er nichts davon weiß und ich mich nicht davor auch noch mit seiner Reaktion auseinandersetzen müsste, sodass ich im Allgemeinen entspannter wäre.
Allerdings hat es mich dann doch so belastet, dass ich es ihm gesagt habe. Ich habe ihm jedoch vorerst nur gesagt, dass ich noch Jungfrau bin und dass das Versuchen bisher nicht so toll verlaufen ist, habe also noch nicht den Namen “Vaginismus” genannt. Er hat sich darauf hin sogar richtig gefreut, da er selbst auch noch Jungfrau ist. Damit hatte ich gar nicht gerechnet.

Bisher habe ich noch nicht mit ihm geschlafen und es ehrlicherweise auch noch gar nicht versucht, da wir beide mit der Uni enorm beschäftigt waren und bei mir in der Familie auch immer wieder extrem belastende Situationen aufgetreten sind. Aber ich habe jetzt auch vor, das Thema mehr anzugehen und an einer Lösung zu arbeiten. In dem Zuge werde ich ihn auch mit Vaginismus konfrontieren. Ich glaube, da ist es wirklich sinnvoll, dem Partner auch Informationen an die Hand zu geben, damit er sich damit beschäftigen kann und ihr vielleicht gemeinsam daran arbeiten könnt. Aber Mut erfordert es trotzdem! Auch bei mir noch, auch wenn wir ein festes Paar sind.

Ich finde es super, dass du dich schon so gut mit dem Thema beschäftigt hast und ja auch mit den Dilatoren übst. Das allein sollte ihm ja auch zeigen, dass du daran arbeitest und es nicht einfach so hinnimmst. Der Wille zur Besserung ist ja da :wink:

Ich wünsche dir ganz viel Glück, egal wie du dich nun entscheidest!

Liebe Grüße
Frida


#9

Liebe CoLa,

danke für deine offenen Worte, das mit der Verzweiflung kann ich absolut nachvollziehen. Es ist einfach so frustrierend zu wissen, dass es bei einem selbst nicht klappt, obwohl alle Welt es tut. Man braucht nur den Fernseher einschalten, selbst da wird man ja in allen möglichen Serien und Filmen damit konfrontiert und ist dann neidisch, so geht es mir zumindest…
Dein Frauenarztbesuch kommt mir ziemlich bekannt vor. Ich hatte immer das Gefühl, ich sei zu eng und dass irgendetwas nicht stimmt, aber sie meinte auch, dass körperlich wirklich alles vollkommen in Ordnung ist. Da kommt man sich selbst irgendwie noch bescheuerter vor, finde ich…
Dein Freund scheint wirklich toll zu sein. Schön, dass er sich damit befasst und dich so unterstützt :slight_smile: Ich wünsche euch und vor allem dir alles Gute :relaxed:
LG


#10

Liebe Frida,

du sprichst mir wirklich aus der Seele! Ganz genau so geht es mir auch… Ich kann deine anfänglichen Gedankengänge so gut nachvollziehen. Momentan habe ich mir im Kopf nämlich drei mögliche Herangehensweisen zurecht gelegt:

  1. Ich sage einfach gar nichts und gucke, ob es funktioniert (dann bräuchte ich mir, wie du schon meintest, keine Gedanken über seine Reaktion bzgl. meines Problems machen)
  2. Ich deute an, dass ich schon gefühlte Ewigkeiten keinen richtigen Sex mehr hatte (was er sich ja vermutlich schon denken kann) und dass ich damals mehrere Probleme hatte, u.a. auch mit meinem Exfreund und dass es seitdem nicht mehr richtig lief und ich große Schwierigkeiten habe, Nähe zuzulassen und ich deshalb befürchte, dass es mit dem Sex nicht gleich klappen könnte… (das stimmt auch alles irgendwie, wäre aber nur die halbe Wahrheit)
  3. Ich haue das Wort “Vaginismus” raus und sage ihm, dass ich glaube, dass ich das habe… (das ist wohl echt die schwierigste Variante von allen für mich)
    Es ist wirklich super schwierig… In letzter Zeit habe ich mit dem größten Dilator echt Fortschritte gemacht und allgemein hab ich das Gefühl, dass ich irgendwie nicht mehr so eng bin. Trotzdem habe ich natürlich Angst, dass es nicht klappt, wenn ich ihm vorher gar nichts sage und dass das dann vielleicht eine total unangenehme Situation wird :neutral_face:

Ich finde, du hast das richtig gemacht. Gerade am Anfang einer Beziehung ist man ja auch noch vorsichtig und tastet sich bei manchen Dingen erst langsam vorwärts. Es freut mich richtig zu hören, dass er noch Jungfrau ist und dass ihr beide gemeinsam alles entdecken und eine gemeinsame Lösung finden könnt :slight_smile:
Dass ihr noch wartet, zeigt ja auch nur, dass es wirklich ernst mit euch ist und vor allem auch, dass der Sex für ihn nicht das Wichtigste ist. Ich kann das auch absolut nachvollziehen, dass man keinen Kopf hat, sich damit zu beschäftigen, wenn man viel zu tun hat und es noch tausend andere Probleme gibt, die einen belasten, das ging mir auch so.
Schön, dass du dich jetzt auch richtig mit dem Thema befassen willst und ich wünsche dir, dass alles gut wird. Außerdem wünsche ich uns beiden den Mut, den es braucht, um über die eine oder andere Sache noch genauer zu reden :slight_smile:
Danke für deine Antwort.

Liebe Grüße
Rita


#11

Liebe Rita,

danke für deine lange Nachricht und deine lieben Wünsche! :slight_smile:
Letztendlich ist es wohl auch eine Bauchgefühlentscheidung. Vielleicht ist es aber gar nicht so schlecht, wenn d 1, 2, 3 in der Reihenfolge umsetzt. Also wenn 1 nicht klappt, kannst du ihm 2 sagen, wenn 2 nicht klappt, kannst du ihn mit 3 konfrontieren.

Sex ist meinem Freund schon auch sehr wichtig. Natürlich nicht das Wichtigste, aber gerade, weil wir schon etwas älter sind und beide noch Jungfrau, belastet uns das schon sehr.
Auch wenn er mir nie zu verstehen gibt, dass er enttäuscht ist, spüre ich das immer mal wieder, weil ich es auch irgendwo selbst von mir bin und erwarte, dass es funktioniert. Oft setze ich mich dann so unter Druck, dass ich nicht mal mehr Lust habe, überhaupt mit ihm zu schlafen. Es ist einfach schon wieder ein Problem von vielen, mit dem man sich auseinandersetzen muss.
Ich glaube, da hilft es sehr, was @ivi geschrieben hat: Wir müssen lernen, uns selbst so zu lieben wie wir sind und diese ganzen Serien und Filme, in denen alle mindestens fünf Mal in der Woche Sex haben, zu ignorieren. Ich wage mal zu behaupten, dass das bei den wenigsten echten Paaren der Realität entspricht.

Damit möchte ich dich nicht entmutigen! Ich glaube, du bist da auch schon um einiges weiter als ich und am Anfang einer Beziehung ist die Lust ja eigentlich auch nie ein Problem :wink:

Berichte mal, wenn es bei dir etwas Neues gibt :slight_smile:

Grüße
Frida


#12

Liebe Rita,

Du schreibst “und wahrscheinlich haben wir beide keine Ahnung, was wir wirklich voneinander wollen” . Das fühlt sich für mich an, als würdest Du dich gefühlsmäßig gar nicht sicher und geborgen fühlen in dieser Beziehung. Ich überlege manchmal wie wichtig das doch eigentlich für mich ist und wie selten ich das in einer Beziehung mit einem Mann gespürt habe. Vielleicht weil ich selbst Angst vor Nähe habe und mir deshalb instinktiv auch dementsprechende Männer suche.
Ich hab Mal gelesen, dass Männer meinen, dass du Sex grosse Nähe entsteht, d.h. sie versuchen Nähe durch Sex herzustellen. Bei Frauen ist es eher umgekehrt, sie wünschen sich Nähe, damit sie sich öffnen können (im wahrsten Sinne des Wortes) . Irgendwie ist das ein großer Konflikt. Wie kann man den lösen? Meiner Meinung nach ist Sexualität heute eher nach den Bedürfnissen der Männer orientiert, d.h. Frau schläft mit Mann bevor sie überhaupt seelisch ausreichend dazu bereit ist. Das ist jetzt aber nur meine persönliche Meinung und eigentlich auch meine Erfahrung.
Hab dazu kürzlich einen sehr schönen Podcast gehört. Vielleicht magst ja Mal einhören. Du bist ja schon sehr weit wenn du schon so gut mit den Dilatoren übst.

Liebe Grüße
Ivi